Chronik


Chronik unserer Partnerschaft

                                              Verfasst von Inge Auer

1987

Angeregt durch einen Bericht im Konradsblatt und ermuntert von  Pfr. Ernst  Dochat, unserem damaligen Pfarrer, schrieb ich im Sommer 1987 nach Freiburg, um mich näher zu erkundigen, wie eine Partnerschaft aussehen soll. Domkapitular Wolfgang Zwingmann schrieb mir sofort zurück und legte einen Brief von Padre Seminario Pingo, dem Pfarrer von Bernal bei.

1988

Im Jahr 1988 gingen 2 Briefe und eine Musikkassette der Cäcilienspatzen nach Bernal, aber in Bernal herrschte „Funkstille“. Herr Thomas Belke vom Referat Weltkirche im erzbischöflichen Ordinariat und Pfarrer Wilfred Woitschek, Koordinator in der deutschen Pfarrei in Lima, Peru, halfen uns, die Verbindung wieder herzustellen, und am 22. 03. 1990 kamen gleichzeitig 2 Briefe der beiden zuständigen Padres an, José Vicente Nunura und Alejandro Sullón, beides Neupriester, die die Gemeinde Bernal und die Nachbargemeinde Vice mit zusammen etwa 200.000 Gläubigen versorgten.

Übrigens: die Gemeinde von Bernal summte bereits unsere Lieder und wusste von der Partnerschaft, nur hat leider Padre Seminario Pingo nie zurückgeschrieben. Das sollte nun anders werden. Es entstand ein reger Briefwechsel, Fotos wurden ausgetauscht, und wir erfuhren mehr von unserer Partnergemeinde, von den Menschen, ihrer Arbeit, ihren Freuden und Leiden.

Jährlich veranstaltet das Referat Weltkirche ein oder zwei Partnerschaftstreffen. Seit 1988 haben wir – jeweils zwei Personen aus der Gemeinde – teilgenommen.

1990

Im September 1990 bekamen wir einen „Überraschungsbesuch“ von Padre Miguel Medina, dem Leiter des Priesterseminars in Piura und von Padre Walter Salazar, dem Partnerschaftspfarrer der Gemeinde Zeutern (Bruchsal). Beide weilten in Rom und wollten unsere Gemeinden kennenlernen. Sie nahmen eine Kassette, einen Brief und eine Kerze für unsere Partnergemeinde mit.

1991

Im Jahre 1991 nahmen auch einige Jugendliche und Kinder den Briefkontakt auf. Eine Deutschlandkarte und eine Europakarte gingen auf die große Reise nach Peru, und nun konnte man sich vorstellen, wo Kirchardt liegt.

Im Februar gründeten wir, 15 Personen aller Altersstufen, einen „Peru-Kreis“.

Im Mai 1991 kam vom Referat Weltkirche Herr Thomas Belke zu uns, um über den Sinn und die Aufgaben einer Partnerschaft zu berichten. Viele waren der Einladung gefolgt, ein Zeichen, dass die Partnerschaft doch von vielen der Gemeinde mitgetragen wird.

Am 7. -10. Juni 91 nahm ich an einem Seminar im Bildungshaus St. Ulrich teil mit dem Thema: „Wie begegne ich meinem peruanischen Partner?“ Vorträge, Filme und ein Workshop mit der Musik- und Tanzgruppe „Yuyachkani“ aus Peru, die uns für afro-peruanischen Tanz und Musik begeistern konnte,  brachte mich und später die Gruppe und Gemeinde unserem Partnerland Peru ein großes Stück näher.

Inzwischen erhielten wir auch Briefe von Müttern, die die sog. Comedores leiten. Die Rollstuhlfabrik in Chimbote-Peru schickte auf unsere Bestellung einen Rollstuhl nach Bernal-La Cordillera zu Santos, der ohne Beine sein Leben meistert.

Auch ein Kreuz mit einem Haussegen geht zur Einweihung des Pfarrsaales ins neu errichtete Pfarr- und Gemeindehaus.

Im November 91 kommen zwei Peruanerinnen zu uns, María Salas, Ethnologin, und Nani Mosquera-Schwenninger, Literaturwissenschaftlerin, und erzählen über Geschichte und Kultur in Peru. Etwa 80 Personen, auch aus benachbarten Gemeinden, kommen ins Gemeindehaus, hören interessiert zu und stellen Fragen zur  Diskussion.

1992

Am 22.Mai 1992 verstarb Domkapitular Wolfgang Zwingmann. „Den Schwachen, kleinen und bedrängten Menschen, den Geringsten, die Jesus seine Brüder nennt, gehörte seine ganze Liebe und Zuwendung. Er suchte sie als Referent für die Ausländerseelsorge und für den Bereich Weltkirchliche Aufgaben zu verwirklichen.“ (aus dem Nachruf)

1992 entschließen wir uns – Sylvia Molitor und ich – der Einladung nach Bernal zu folgen, um unsere Partnergemeinde persönlich kennenzulernen. Padre Javier Castillo aus Piura, der  ein zusätzliches Studium in Rom abschließt, kommt einige Tage zu uns, und wir fliegen zusammen nach Peru. Vom 14.07. – 11. 08. 92 weilten wir nun in Peru, 14 Tage davon in unserer Partnergemeinde. Wir lernten dort die Herzlichkeit der Menschen kennen, die Studenten im Priesterseminar – es sind auch einige von Bernal darunter-, die Katecheten, die begeisterungsfähige Jugend. In einem Weiler „Bellavista“ ist eine Niederlassung von „Schwestern der Nächstenliebe“ (Hermanas de la Caridad de San Vicente de Paúl). Hauptaufgabe ist vor allem die Familienarbeit und  die medizinische Versorgung. Auch beim Erzbischof von Piura, Mons. Oscar Cantuarias, werden wir gerne empfangen. Leider konnten wir in Bernal nur 14 Tage bleiben, aber aus Namen sind nun Gesichter geworden, alles ist vertraut und das Samenkorn der Partnerschaft, das wir 1987 in die Erde legten, ist aufgegangen und zeigt die ersten kleinen Zweige. Der Briefwechsel wird nach unserer Rückkehr intensiver, auch Mons. Oscar Cantuarias schreibt und auch viele, die in den umliegenden Dörfern wohnen. Hier nimmt man auch am Geschehen der Nachbargemeinden teil.

Der Reisebericht mit Dias im November zieht viele Leute an, auch aus den anderen Gemeinden, und so heißt es, noch viele Stühle und Tische aufstellen. Viele fleißige Helfer unterstützen den Peru-Kreis.

Im September übernimmt Domkapitular Wolfgang Sauer die Leitung des Referates Weltkirche.

Padre Marcelo, seit September Pfarrer unserer Partnergemeinde, ist uns von unserem Besuch gut bekannt. Er erzählt in seinen Briefen viel vom religiösen Leben, von der Pastoralarbeit und vom Brauchtum. Auch die politische Gemeinde Bernal nimmt großen Anteil an der Partnerschaft. Unsere Briefe werden dort in der Kirche vorgelesen, ihre Briefe hier bei uns. Gebete für die Partnerschaft und für beide Gemeinden sind fester Bestandteil der Messe.

1993

Vom 15.05. – 14.06. 1993 kommt Padre Alejandro Sullón zu uns nach Kirchardt. Er wird herzlich aufgenommen und feiert mit uns Fronleichnam und Firmung.

Während der gleichen Zeit , vom 1. – 4. 06 93  besucht uns Padre José Nunura mit seiner Mutter. Beide waren auf einer Reise nach Rom und man ließ es sich nicht nehmen, Kirchardt zu besuchen. So konnten beide Pfarrer, die unsere Partnerschaft  wieder neu belebten, die Gemeinde kennenlernen.

Durch das Verschicken von Medikamenten durch „action medeor“ konnte in Bernal eine kleine Pfarrapotheke eingerichtet werden, wo man nach ärztlichem Rezept die Arzneimittel kostenlos an die Ärmsten abgibt.

Am 28.08.93 geht unser 1. Container nach Peru mit Schulmöbeln und Tafeln, Näh- und Schreibmaschinen, Medizin, Rollstühlen, Kleidung, Spielsachen und vielem mehr. Kindergarten und Schule helfen mit. Der Container ist nicht nur für Bernal bestimmt, sondern 13 andere Pfarreien profitieren davon. So wurde das mit unseren peruanischen Geschwistern besprochen.

Für den blinden jungen Carlos bemühe ich mich bei der Christoffel-Blindenmission und dem Kath. Blindenhilfswerk. Die Universitäts-Augenklinik in Heidelberg studiert seine Akten. Das Kath. Blindenhilfswerk bietet Carlos eine Ausbildung an. Weil sich Carlos nicht stark genug fühlt, um in Lima zu leben, wird die Ausbildung erst 1999 begonnen, aber jetzt in Piura.

1994

Das Leitwort der Partnerschaft 1994 heißt:

Mit unserem Lebenszeugnis sagen wir den Menschen das Reich Gottes an.

 Am 11.03 1994 starten Sylvia und ich noch einmal nach Peru. Unser Wunsch war, mit unseren peruanischen Geschwistern Ostern zu feiern. Eine Osterkerze – die gleiche wie hier – war natürlich im Gepäck und vieles mehr: Geräte von action medeor, ein Solarmodul mit Steuerungsgerät als Sondergepäck, Riesenkochlöffel für die Volksküchen, Augenarztgeräte, Brillen, Spiele etc. Das Miterleben der Karwoche und die intensive Vorbereitung auf Ostern werden uns immer in Erinnerung bleiben. „Wir haben gar nicht das Gefühl, dass ihr woanders herkommt“, haben viele Leute zu uns gesagt. Diesmal blieben wir bis zum 17. 04. in Peru, davon die meiste Zeit in Bernal. Die Heimatgemeinde kam wieder gerne ins Gemeindehaus, um unseren Erzählungen zu lauschen.

Im August 1994 wanderten wieder 2 Rollstühle von Chimbote nach Bernal. Padre Marcelo wartet inzwischen auf sein Auto, das Adveniat finanziert. Zwischenzeitlich habe ich noch die Aufgabe, Projekte zu Adveniat, Misereor oder dem Päpstl. Missionswerk der Kinder zu bringen, Auskünfte zu erteilen, ein gutes Wort einzulegen und das nicht nur für Bernal, sondern auch für das Seminar, für die Schwestern oder die Padres  aus anderen Gemeinden. 

1995

Das Leitwort  1995  heißt:

  Hoffnung teilen,  schenkt Freude am Leben.

Inzwischen wissen wir viel über unsere peruanischen Geschwister, nehmen Anteil an ihren Freuden, trauern mit ihnen im Leid. Wir sehen, dass nicht alle Kinder dort zur Schule gehen können, weil das nötige Geld fehlt. Schulmittelfreiheit gibt es nicht50 – 100 $ im Jahr sind für 1 Kind aufzubringen, das sind mehr als 4 Monatsgehälter. Das Leben in Peru ist teuer, gemessen an den Einkünften. Stipendien sind dringend notwendig.

Vom 09. – 30. 08. 95 begleitete ich als Übersetzerin Pfarrer Karl Berberich, Frau Gisela Ewen und Frau Christa Gasche aus Sinsheim nach Peru in ihre Partnergemeinde Querecotillo.

Nach ihrer Rückkehr blieb ich noch bis 20.09. in Bernal und konnte dort die Feierlichkeiten zum Geburtstag von Bernal mit einer großen Parade und vielen Reden miterleben.

Am 27. 10. 95 ging der 2. Container auf die Reise wieder an viele Adressen in der Erzdiözese Piura, auch wieder die begehrten großen Schultafeln, medizinische Geräte, Rollstühle, Gehhilfen, Krücken etc., etc. Auch wenn dieses Sammeln sehr viel Arbeit macht, merkt man doch, wie viele Menschen Anteil an der Partnerschaft nehmen, weit über die Grenzen Kirchardts hinaus, auch die evangelischen und syrisch-orthodoxen Geschwister. „Was gibt es Neues in Peru?“, werden wir öfter auf der Straße gefragt.

1996

1996 ist nun die Partnerschaft der Erzdiözese Freiburg mit Peru 10 Jahre alt ( unsere erst 9!), und in Lima gab es schon im März große Feierlichkeiten.

Vom 21. 02. – 21. 03. 1996 bekamen wir Besuch von der Lehrerin Luz María Tume Chunga und Padre Marcelo Zapata. Mit ihnen kam Padre Adalberto Grau, der Pfarrer in Querecotillo war und von der Partnergemeinde  Sinsheim eingeladen wurde. Besuche in den umliegenden Gemeinden Grombach, Ober- und Untergimpern standen auf dem Programm, ebenso Besuche in der Schule und im Kindergarten, dann Gemeindenachmittage, die sowohl bei uns als auch in Sinsheim gut besucht waren.

Im August verließ Padre Marcelo unsere Partnerpfarrei und übernimmt die Pfarrei in Querecotillo. In Bernal liegt nun die ganze pastorale Arbeit in den Händen der vier Vincentinerinnen und vielen engagierten Laien. Die Schwestern  und  Luz María tragen sicher mit viel Engagement die Partnerschaft weiter.

Im November  96 sind wieder Medikamente von „action medeor“ auf der Reise und 2 Rollstühle aus Chimbote.

Ein ganz besonderes Ereignis im September diesen Jahres waren die Feierlichkeiten  in Freiburg zum 10-jährigen  Bestehen der Partnerschaft, an denen der Peru-Kreis aktiv teilnahm, sowohl auf dem Markt mit einem großen Info-Stand als auch als Musikgruppe am Bunten Abend.

1997

Im Jahr 1997  wird nun unsere Partnerschaft mit Bernal 10 Jahre alt.

Im Februar und März weilte ich zu einem Sprachkurs in Peru. Ich habe absichtlich dieses Land gewählt, um neben dem Studium die Gelegenheit zu haben, unsere Kontakte zu Bernal zu intensivieren. Wann immer es möglich war, fuhr ich mit dem „Micro“, der inzwischen etwas sicherer geworden ist, nach Bernal. Die Schwestern, Luz María und die neu gegründete Partnerschaftsgruppe „Sankt Ägidius“ organisierten Treffen mit Katecheten, Frauengemeinschaften, Kindern und Jugendlichen, an denen teilweise auch der neue Pfarrer, Padre Tomás Corrales, teilnahm. Ein wichtiges Thema war die Familienkatechese und besonders die Gesundheitsvorsorge. Polio, Malaria, Cholera, Typhus fordern immer noch ihre Opfer, ebenso Unterernährung bzw. Fehlernährung bei Kindern.

Die Schwestern versorgen ein Gebiet etwa so groß wie der Landkreis Heilbronn, Dörfer direkt am Pazifik ebenso wie Dörfer mitten in der Wüste, zu denen sie oft 8 Stunden mit dem Auto unterwegs sind. Sie sind froh über das 1994 mitgebrachte Solarmodul, nun ist es möglich, auch mitten in der Nacht bei Licht – nicht bei Kerzenschein – Notfälle zu versorgen. Am 2. Juni konnten die Schwestern einen weiteren Rollstuhl für einen kleinen Schulanfänger entgegennehmen, ebenso einen Solarkocher, denn das Brennmaterial wird immer teuerer und Sonne gibt es in Fülle. Der Solarkocher wird bereits in Peru hergestellt, was natürlich sehr viel kostengünstiger ist. Ganz besonders freut uns, dass durch unsere Vermittlung ein besonderer Kontakt zwischen unserer Partnergemeinde und der Rollstuhlfabrik in Chimbote „Taller Wolfgang Zwingmann“ besteht. 

Am 17. Oktober ging ein 3. Container, beladen mit Krankenbetten, Rollstühlen, Näh- und Schreibmaschinen, Fahrrädern, einem 2. Solarkocher, Medizin und dem ersehnten EKG-Gerät, Spielzeug, Kleidern, Schulartikel und vielem mehr auf die Reise. Er kam am 2.12. 97 noch rechtzeitig vor Weihnachten an.

Anfang Oktober war bei den Cäcilienspatzen eine peruanische Musikgruppe zu Gast, die abends ein Konzert gab. Allen Kindern hat es riesig Spaß gemacht, einmal mit den „Hermanos Torres“ zu singen. Abends beim Konzert in Obergimpern sorgten sie für temperamentvolle Stimmung.

In Peru war man in diesem Jahr in großer Sorge wegen des Naturphänomens „El Niño“, ein warmer Meeresstrom, der verheerende Überschwemmungen mit sich bringt. Bernal war 1983 schwer davon betroffen, ein Teil des Dorfes wurde weggeschwemmt, zusammengefallene Häuser, Seuchen und Krankheiten und auch viele Tote waren zu beklagen. Man hat in diesem Jahr sehr viele Vorkehrungen getroffen, Kanäle gebaut bzw. erweitert. Beten und hoffen wir mit unseren Freunden und Geschwistern in Peru, dass sie von solchem Unheil verschont bleiben mögen.

1998

Seit 1998  heißt das Leitwort unserer Partnerschaft

          Geeint im Heiligen Geist – Kirche in der Welt von heute

Aus dem Samen der Partnerschaft ist schon ein kräftiger Baum geworden, der seine Zweige weit hinausstreckt und schon gute Früchte trägt. Ihn gilt es zu bewahren, zu nähren und zu schützen, damit er weiter wächst und noch mehr Zweige in den Himmel strecken kann. Sowohl unsere peruanischen Schwestern und Brüder als auch wir bemühen uns darum. Wir sind Freunde geworden und tragen deshalb füreinander Verantwortung, so wie es im „Kleinen Prinzen“ heißt.

Zum Peru-Tag im März 1998 kam Frau Lisa Nicola von „action medeor“ zu uns, um über dieses Hilfswerk zu berichten, das nun schon über 30 Jahre alt ist und in ca. 150 Ländern mehr als 9000 Gesundheitsstationen mit Medikamenten und medizinischen Geräten versorgt.

Im Mai kam von Schwester Margarita die Beschreibung und ein Kostenvoranschlag für den Bau eines Brunnens, der auch von Misereor für gut befunden und mit 5000,-DM unterstützt wurde. Doch es dauerte noch eine Zeit, Messungen waren notwendig, da Bernal -Bellavista ja in der Wüste liegt. In Bellavista bemühten sich die Leute auch, Geld für ihren Brunnen zu sammeln und veranstalteten ein Fest mit einer Tombola.

Im September 98 nahm ich an einem Studientag über Volksreligiosität teil. Padre Wilfredo Woitschek, Pfarrer in Churin (Diözese Huacho) und Partnerschaftsbeauftragter der Erzdiözese Freiburg in Peru, erzählte sehr beeindruckend über die verschiedenen religiösen Ausdrucksarten der peruanischen  Geschwister. Diese Seminare sind immer wichtig und gut, denn um Freunde zu sein und zu bleiben, müssen wir lernen, mit den Augen des anderen zu sehen. Erst dann ist Verstehen möglich.

Vom 9. – 11. Oktober reiste der Peru-Kreis nach Luzern/Schweiz in das Missionshaus in Immensee. Wir wollten unsere Arbeit überdenken, sie mit neuem Inhalt füllen, Schwerpunkte setzen, gemeinsam weiter planen und aus Erfahrungen anderer Menschen lernen, die viele Jahre in Peru mit den Armen Tür an Tür gelebt haben. Es war ein anstrengendes Wochenende, an dem wir aber sehr viel lernen durften. Ein besonderer Dank gilt Frau Monika Pfändler, die als Assoziierte der Bethlehem Mission Immensee mehrere Jahre in einem Pastoraleinsatz in Peru war, dann Herrn Markus Büker, Referent im Informationsdienst, der geschickt dieses Wochenende leitete und uns sehr viele neue Impulse gab, dann Generalvikar Emilio Näf, der von seinen Erfahrungen von 25 Jahren Aufenthalt in Peru erzählte.

Im Dezember fand in Trujillo/Peru ein Treffen der Partnerschaftsgemeinden aus verschiedenen Bistümern im Norden Perus statt. Schwester Margarita und Schwester Catalina aus Bellavista nahmen an diesem Treffen teil und schrieben uns voller Begeisterung. Schwester Margarita ist eine eifrige Briefeschreiberin und berichtet eindrucksvoll über das Leben der Gemeinde, ihre Sorgen und sie ist es vor allem, die mit viel Energie und Ausdauer viele Projekte zum Erfolg führt. So konnte sie mit den Frauen einen Garten anlegen – was das mitten im Wüstengebiet bedeutet, übersteigt mit Sicherheit unsere Vorstellungskraft – eine Hühnerfarm aufbauen, eine Kompostanlage mit Wurmkulturen errichten.

1999

Anfang 1999 wurde der Wunsch, einen Brunnen zu bauen, Wirklichkeit. Er ist fertig und „wir bekommen herrlich süßes Wasser“.

Dank der Verbindung zur Rollstuhlfabrik in Chimbote konnten Anfang des Jahres 83 Rollstühle nach Bernal  und Umgebung, z. B. in die Weiler „Onza de Oro“, „Bellavista-Soledad„, gebracht werden. Wir fungierten nur als Vermittler, Leute aus Mallorca – der Heimat der Schwestern Margarita und Catalina – übernahmen die Kosten. Übrigens, wie ich fast zu gleicher Zeit von anderer Stelle erfahren habe, half dieser Großauftrag gleichzeitig, die zu dieser Zeit weniger gute wirtschaftliche Lage der Rollstuhlfabrik, einer Werkstatt für Behinderte, aufzubessern. Auch die Rollstuhlfahrer in unserer Partnergemeinde sind nun weitaus selbständig, denn auch für sie wurde ein Garten angelegt mit  Hühnerfarm und Kompostaufbereitung. Alle arbeiten dort in Soledad mit großer Freude.

Am 21. März 99 kam Frau  Heike Teufel, studierte Kulturwirtin und gute Piura-Kennerin zu uns. Sie berichtete eindrucksvoll über die Auswirkungen von „El Niño“, den überaus großen Schäden, aber auch über die positive Seite, denn „El Niño“ ließ im wahrsten Sinne des Wortes die Wüste „erblühen“, leider auch mit meterhohem Unkraut. Dann berichtete Heike an Hand von Dias über das „Projekt Pide – Kaffee“, den Partnerschaftskaffee, der aus der „Sierra piurana“ kommt, einer Kaffeeanbauzone im Departement Piura.

Im Frühjahr 99 fand in Rastatt wieder das alljährliche  Partnerschaftstreffen statt, an dem Sylvia und ich teilnahmen. Diese Partnerschaftstreffen, zu denen immer namhafte Referenten eingeladen werden, geben uns immer wieder Mut und viele Anregungen.

Ein großes Anliegen war diesmal die Entschuldungskampagne im Jahr 2000, zu der vor allem Bischof Strothmann aus Chósica/Lima ein ergreifendes Plädoyer abgab.

Kurz darauf fand in Lima das 1. Nationale Partnerschaftstreffen statt, an dem das Ehepaar María und Juvenal Ruiz aus Bernal teilnahm. Es war für sie ein großes Ereignis.

An Pfingsten fuhren einige Interessenten zum Benediktinerkloster Münsterschwarzach (Würzburg), wo eine Ausstellung peruanischen Kunsthandwerks zu besichtigen war und „Scherentänzer“ aus den peruanischen Anden uns in die Welt ihrer geheimnisvollen Tänze und Riten führten. Auch das ist Beten und wenn man sich darauf einlässt und sich öffnet, welch große Bereicherung spürt man in seinem Innern.

Am 20. Juni 99 kam Domkapitular Mons. Wolfgang Sauer nach Kirchardt und feierte mit uns einen sehr feierlichen Gottesdienst, an dessen Gestaltung sich vor allem die Cäcilienspatzen, der Kirchenchor und der Peru-Kreis beteiligten. Anschließend trafen wir uns im Gemeindehaus, wo wir sehr viel Interessantes über die Schuldenerlassproblematik, die Voluntarios – den Jugendlichen, die ein ganzes Jahr lang mit unseren peruanischen Geschwistern leben – und über die pastorale Situation in Peru erfuhren. Hier können wir viel von unseren peruanischen Geschwistern lernen, da die Pfarreien dort schon lange in Seelsorgeeinheiten  zusammengefasst sind und sich auch schon Partnerschaften zwischen Seelsorgeeinheiten gebildet haben. Sind sie da nicht schon ein großes Stück weiter als wir?

Im Juli 99 besuchten Mitglieder der Peru-Kreise Kirchardt und Sinsheim das Peru- Büro in Heidelberg. Wir waren beeindruckt von der Vielfalt des Materials, insbesondere der vielen, vielen Bücher (fast 3000) aus allen Gebieten, die meisten Bücher darf man sich auch ausleihen.

Ende Oktober 99 reisten Beate Wolesak und ich zu einem  Besuch nach Peru. Für Beate war es der erste Besuch, für mich bereits der fünfte. Wir wohnten dieses Mal bei den Schwestern in Bellavista, wo wir wie immer herzlich aufgenommen wurden. In der Hauptgemeinde Bernal trafen wir uns mit den „neuen Partnerschaftsgruppen“, was ich kurz erklären will. Die Partnerschaftsidee hat sich auf Grund des Engagements der Schwestern weiter ausgebreitet auf einen Teil der Weiler. So gibt es jetzt einen „Hauptkreis“ mit je einem Vertreter aus 11 Weilern, jeder Repräsentant bildet in seinem Weiler eine eigene „Partnerschaftsgruppe“. Es ist eine gute Idee und wir beten, dass diese Idee sich weiterentwickelt und die Gruppen fortbestehen. Die Gruppen treffen sich 1 Mal wöchentlich zum Beten, auch zum Vorbereiten von Gottesdiensten, starten Aktivitäten, wie zum Beispiel Kleidersammlungen für weit entlegene Weiler in der Wüste, Bescherungen für Kinder und alte Menschen an Weihnachten, ca. 2000 Kinder waren es an Weihnachten 1999.

Gleich zu Anfang unseres Besuches wurden wir eingeladen zu einem Fußballspiel einer Damenmannschaft, die aus  Partnerschaftsmitgliedern besteht und die sich „KIRBER“ nennt, also „KIRchardt –BERnal“. Es war sehr interessant und lustig, besonders weil Beate „unsere“ Mannschaft auf deutsch anfeuerte, wobei nach und nach 5 Tore fielen und die Mannschaft zum ersten Mal 5:0 gewann.

Einige Kinder aus Kirchardt gaben uns Zeichnungen für die Kinder in Bernal mit. So besuchten wir mit dem Rektor der Schule alle Klassen der Primaria (1. – 6. Klasse). Er ermunterte die Schüler, auch für die deutschen Kinder zu malen. Wir konnten ein ganzes Paket mit zum Teil wahren Kunstwerken mitbringen.

Ganz besonders hat uns natürlich das „Brunnenprojekt“ interessiert und der dabei liegende Garten, der bereits eine reiche Ernte bringt. Wir konnten auch schon beim Bau des 2. Brunnens zusehen, der inzwischen (Januar 2000) fertiggestellt wurde. Dort befindet sich jetzt auch eine Schweinchenzucht, und ein Garten soll demnächst entstehen. Beate hatte nach unserem Besuch in Bernal die Gelegenheit, mit Frau Heike Teufel in die Kaffeeanbauzone von Pide-café zu fahren und sich dort vor Ort zu informieren. Ich begleitete in dieser Zeit die inzwischen angereiste Gruppe aus Sinsheim zu der  Partnergemeinde Querecotillo.

Während Beate und die Sinsheimer Gruppe noch eine Studienreise durch Peru machten, blieb ich in Piura, um dort meine Kontakte, die inzwischen zahlreich geworden sind, zu pflegen, so auch den Kontakt zum dortigen Seminar. Eine ganz besondere Erfahrung war die Einladung eines Lehrers, einen Tag bei seiner Familie zu verbringen. Er wohnt in der Hafenstadt Paita, oben auf dem Berg in einer „Invasion“, das ist ein Stück Land, das die Leute besetzen und in einer Blitzaktion über Nacht Hütten aus Pappe, Wellblech, Stroh, Plastiktüten etc. aufstellen. In der einfachen Hütte war es sehr sauber, Wasser gibt es nicht, man kann es sich im Zentrum der Invasion an einem Schlauch holen, Abwasser und eine Toilette gibt es auch nicht.

Bei dem diesjährigen Besuch haben mich besonders die schlechten hygienischen Verhältnisse erschüttert, sie sind viel schlechter geworden, die Leute haben kein Geld und hier wird am ehesten gespart, was natürlich schwere Krankheiten zur Folge hat.

In Lima trafen wir uns dann alle wieder und besuchten dort noch ein Frauenprojekt in Villa El Salvador, einem Stadtteil (Wüstencharakter) von Lima mit ca. 400. 000 Einwohnern, meist verlassenen Frauen mit Kindern.

In Cieneguilla, einem Ort ca. 1 Stunde von Lima in wunderschöner grüner Landschaft, besuchten wir ein Haus für Straßenjungen. Dort gibt es eine Schreinerei, Schneiderei, Meerschweinchen- und Hasenzucht, einen Garten und das Wichtigste ist,  die Buben gehen zur Schule. Sie machten alle einen glücklichen Eindruck und haben uns ganz stolz durch ihre Häuser geführt.

2000-2001

Das neue Leitwort für 2000 und 2001 haben uns unsere peruanischen Geschwister geschickt:                   

    Abrir nuevos caminos de fe solidaria en el tercer milenio

Im Glauben solidarisch verbunden – neue Wege entdecken im Dritten Jahrtausend

Am 9. März 2000 konnte ich im Dekanatsrat über den Sinn und Bedeutung der Partnerschaft zwischen der Erzdiözese Freiburg und Peru berichten, was sehr viel Anklang fand.

Am Misereor – Sonntag (9. 04. 2000) hatten wir (Beate und ich) Gelegenheit, von unserer Reise und unseren Erfahrungen zu berichten und natürlich Fotos zu zeigen.

Aus unserer Partnergemeinde kommen gute Nachrichten, der Partnerschaftskreis bzw. die -kreise sind sehr aktiv, nicht zuletzt durch die Animation von Hna. María, einer Peruanerin, zu deren Aufgabenbereich der Partnerschaftskreis gehört. Man ist sogar dabei, mit Hilfe eines Programmes Deutsch zu lernen. Mal sehen, wann der erste Brief uns in deutsch erreicht.

Am 6. Mai 2000 fand wieder das Partnerschaftstreffen in Rastatt statt, wo die Cäcilienspatzen die musikalische  Gestaltung der Eucharistiefeier übernehmen durften.

Vom 21. – 29. Mai 2000 hatten wir überraschend Besuch von Padre José Nunura, einem unserer beiden Gründungspfarrer, und vom 92-jährigen Padre Isidoro Muñiz. Beide waren vorher in Rom zu den Jubiläumsfeierlichkeiten und Padre José hatte noch Projekte für Misereor, Adveniat und das Päpstliche Missionswerk der Kinder. Am 28. Mai feierten wir einen feierlichen Gottesdienst mit unseren peruanischen Gästen und den Erstkommunionkindern.

Im Sommer 2000 war Schwester Margarita in ihrer Heimat Mallorca, wo sie verschiedene Male operiert werden musste. Ich hatte Gelegenheit, sie dort zu besuchen und wir nutzten die Zeit, um viel über die Partnerschaft auszutauschen. Sie erzählte ausführlich über das Brunnenprojekt, dessen Weiterführung inzwischen die mallorquinische Regierung übernommen hatte. Am Ende des Jahres 2000 sind es bereits  5 Windmühlen und Brunnen, auch in Weilern, die mehrere Stunden von Bernal entfernt sind.

Am 5. November kam Padre Juan Goicochea zu uns. Er ist Comboni- Missionar und stammt aus La Unión, einer Nachbargemeinde Bernals, heute eine große Seelsorgeeinheit, die von Padre Pedro Chully Chunga, der uns schon viele Jahre ein guter Freund ist, geleitet wird. Padre Juan kam nicht alleine, sondern brachte 3 Musiker, die „Jhilatas“, aus dem „Süden“ mit, Martina aus Südtirol, Juan aus Peru und Luis aus Ecuador. Zusammen, auch mit den Cäcilienspatzen, feierten wir die Heilige Messe, und abends besuchten viele Gäste das Konzert der Jhilatas. Während dieses Abends stellte  Pater Juan sein Projekt für die Behinderten in Bajo Piura (Region um Bernal) vor. Je ein Haus wird von drei Behinderten bewohnt. Außerdem sind Werkstätten und Versammlungsräume geplant. Wir beteiligen uns schon länger über Schwester Margarita an diesem  Projekt, z. B. Bau einer Hühnerfarm, Vermittlung und Kauf von Rollstühlen, Krücken,  Gehhilfen, Krankenbetten etc. kamen per Container dort an,  Medikamente und Operation von Rosita.

Am 21. Dezember kamen drei junge Freunde zu Besuch, Santos, Lehrer aus dem Weiler Onza de Oro, Carlos, Computerfachmann aus dem Weiler Chancay und Pablo, Maler und Kunstlehrer aus Piura, der in Rom studiert hat und Santos und Carlos begleitete. Sie lernten hier viele Leute kennen, besonders wie wir das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel feiern, das Dreikönigsfest und die Sternsingeraktion. Sie besuchten die Schule, die sich seit Jahren schon mit unserer Partnerschaft befasst, und erzählten den Viert- und Fünftklässlern über ihre Heimat und den Schulalltag in Peru. Ausflüge und Betriebsbesichtigungen standen auf dem Programm. Am 14. Januar 2001 kehrten sie mit vielen guten Eindrücken nach Peru zurück.

Im Mai 2001 besuchte uns Schwester Darsy Silva aus Peru. Sie arbeitete viele Jahre bei Erzbischof Oscar Cantuarias in Piura und seit unseren Besuchen dort besteht eine enge Freundschaft zu ihr. Jetzt leitet sie ein Kinderheim in Huanta/ Ayacucho in den Anden. Sie betreut vor allem schwer traumatisierte Kinder, die ihre Eltern und  Verwandten in der Zeit des Terrorismus („Sendero Luminoso“) verloren haben. Da aus diesem Heim viele Kinder in Luxemburg und Deutschland neue Eltern gefunden haben, war es ihr Wunsch, diese Kinder in ihrer neuen Heimat zu besuchen. Schwester Darsy  besuchte auch die GHS-Kirchardt, um sich für die Unterstützung zu bedanken. Der Erlös des Martinsumzuges ging im vergangenen Jahr an dieses Kinderheim.

Auch wenn Schwester Darsy nicht direkt aus unserer Partnergemeinde kam, wurde sie hier überall herzlich aufgenommen, so wie wir das bei unseren Besuchen in Peru auch in der ganzen Erzdiözese Piura/Tumbes erfahren durften.

Am 28. April fand das 18. Partnerschaftstreffen unserer Erzdiözese Freiburg statt, an dem Mons. Luis Bambarén, Bischof von Chimbote und Vorsitzender der Peruanischen Bischofskonferenz zu Gast war. Auch Erzbischof Oskar Saier hat bei diesem Treffen von seinen guten Erfahrungen in Peru  erzählt.

2002

Am 9.Januar 2002 kamen Schwester Catalina, ihre Nichte María und Schwester María zu einem Blitzbesuch nach Kirchardt. Beide Schwestern arbeiten in unserer Partnergemeinde. Sie waren auf Heimaturlaub in Mallorca und wollten die Partnergemeinde Sankt Ägidius kennenlernen. Schwester Catalina ist mit einer großen Gruppe von Laien verantwortlich für die Partnerschaft. Sie erzählte, mit welcher Freude dort alle zum Gelingen der Partnerschaft beitragen. Schade, dass ihr Besuch nur so kurz war, am 12. 1. mussten wir sie schon wieder nach Frankfurt bringen. Wir hoffen, dass ihr nächster Besuch länger wird.

2002-2003

Für die beiden Jahre 2002 und 2003 war die Erzdiözese Freiburg wieder an der Reihe, ein geeignetes Lema zu finden.               

Motivados por la esperanza  – es tiempo para sembrar

  Bewegt von der Hoffnung – es ist Zeit zur Aussaat.  

Dieses Leitwort soll uns nun die nächsten beiden Jahre begleiten und uns wertvolle Anregung für unsere partnerschaftlichen Beziehungen sein.

Vom 2.-4. August 2002 fand in Bernal und Querecotillo, der Partnergemeinde von Sinsheim, das Nordtreffen der Partnerpfarreien in Peru  statt. Wir, eine kleine Delegation aus Sinsheim, Kaplan Michael Hettich, Frau Gisela Ewen, Frau Christa Gasche, und ich für die Pfarrei Kirchardt waren der Einladung gefolgt und nahmen als Vertreter der Partnergemeinden der Erzdiözese daran teil. Ich wurde gebeten, einen Vortrag über Solidarität, die dritte Säule der Partnerschaft, zu halten, was ich gerne getan habe.

Hier ein kleiner Reisebericht:

Morgens um 2Uhr 30 landete das Flugzeug in Lima. Ich stellte mich schon darauf ein, den Rest der Nacht im Flughafen zu verbringen, aber Peruaner warten im Gegensatz zu uns sehr geduldig. Ich schmunzelte ein wenig, als ich meine Freunde mit dickem Schal und Handschuhe sah. Es war ja Winter und darüber hinaus plagte sie auch noch eine Grippe. Ich wurde bald eines Besseren belehrt. Als wir in Callao Anitas enges Haus betraten, kam mir schon ein modriger Geruch entgegen. Schimmel kroch an den Wänden hoch und erreichte fast die Decke: 100% Luftfeuchtigkeit in Lima bei etwa 12/13 Grad. Mein Bett war klamm und kalt, warmes Wasser gab es nicht. Das Haus war teilweise offen und es zog durch alle Ritzen. Ich erwähne das nicht, um Mitleid zu erheischen, sondern weil ich jetzt Schal und Mütze sehr wohl verstand.

Am nächsten Tag besuchte ich ein noch sehr junges Projekt meiner Freunde, beide Psychologen, in Villa El Salvador. Ich kannte das Projekt von meinem letzten Besuch her. Frauen haben sich zusammengeschlossen, um selbst ihr Leben in die Hand zu nehmen und vorwärts zu kommen. Inzwischen sind Grundstücke ihr Eigentum. Eine Kinderkrippe wurde aufgebaut für Kinder von 0 bis 5 Jahren. Die Bettchen sind sehr sauber, aber Decken gibt es fast keine. Mich wundert es wirklich nicht, dass viele Kinder schwer erkrankt sind (Atemwegserkrankungen, Lungenentzündungen).

Über den  Einfallsreichtum der Frauen konnte ich nur staunen. Da gab es eine Spielecke mit einem Tisch, einer Bank und Stühlen, die alle aus Pappe gemacht waren. Trotzdem waren sie recht stabil. Auf dem Spielherd, ebenso aus Pappe, sah ich Geschirr und silberne Töpfe. Wie sich beim näheren Hinsehen herausstellte, waren sie aus den Flaschenböden der großen Colaflaschen selbst hergestellt.

Die Frauen zeigten unwahrscheinlich viel Energie und Schwung für neue Pläne, etwas was ich – und jetzt will ich einen großen Sprung in den Norden machen – in unserer Partnergemeinde oft vermisse. Dort hatte ich eher das Gefühl, dass viele Menschen gleichgültiger geworden sind, müde zum Kämpfen und Ändern ihrer Situation. Viele Väter und Jugendliche sind abgewandert in die Städte, um vielleicht dort Arbeit zu finden. Andere junge Leute sitzen gelangweilt vor ihren Häusern und starren ins Leere, was mich sehr betroffen gemacht hat, denn ich kannte viele von früher und kannte auch deren Eifer. Die Zeit reichte leider nicht für alle Besuche, was ich sehr bedauerte.

Der eigentliche Grund der Reise war unsere Teilnahme am 7. Nordtreffen der Partnerpfarreien vom 2.-4. August 2002; „unsere“, weil mit mir auch eine kleine Delegation aus Sinsheim, Kaplan Michael Hettich, Frau Gasche und Frau Ewen,  angereist kam. Unsere beiden Partnergemeinden Querecotillo (Sinsheim) und Bernal (Kirchardt) hatten seit fast 11 Monaten das Treffen vorbereitet. Das eigentliche Treffen fand in Querecotillo statt, da die kleine Stadt über eine große, zweistöckige Sportarena verfügt, ebenso über ein großes Gemeindehaus mit Stockbetten, die von der dortigen Kaserne zur Verfügung gestellt wurden. Hier war ein Großteil der Gäste untergebracht.

Über 90 Delegierte aus 28 Pfarreien der Diözesen Chimbote, Trujillo, Chiclayo, Cajamarca, Huari, Huaraz und Piura nahmen am Treffen teil. Jürgen Huber war im Auftrag des Partnerschaftskoordinationsteams anwesend. Einige der Teilnehmer hatten eine Anreise von 24 Stunden (einfache Fahrt!!) hinter sich. Trotzdem machten sie auf mich keinen übermüdeten Eindruck. Vielleicht sind die Peruaner darin Lebenskünstler.

Nach der offiziellen Eröffnungsmesse in der Kirche „San Francisco Javier“ am Freitagabend nahmen wir gemeinsam das Abendessen ein. Für mich war es sehr bewegend und beeindruckend, wie sich die Teilnehmer, die sich von früheren Treffen her kannten, zur Begrüßung in die Arme schlossen. Die Herzlichkeit war so spürbar und ich fühlte, dass ich mich inmitten einer großen „Familie“ befand. Das gleiche Gefühl hatte ich auch bei fast allen Rastatt-Treffen und dafür bin ich dankbar.

Am Samstag standen wir früh auf. Die Sportarena war mit zahlreichen Postern ausgeschmückt, die aber leider der heftige Wind in der Nacht herunter blies. Also musste die ganze Arbeit noch einmal getan werden. Um 7.30 Uhr begannen wir mit einem Morgengebet in der Kirche. Zum Frühstück trafen wir uns im zweiten Stock der Sportarena, wo die Tische liebevoll gedeckt waren.

Um 9.15 Uhr begann das eigentliche Programm des Treffens. Jürgen Huber verlas die Grußworte von der Abteilung Weltkirche aus Freiburg und von Mons. Luis Bambarén, Bischof von Chimbote und Präsident der Peruanischen Bischofskonferenz. Frau Hortencia Seminario aus Querecotillo führte durchs Programm und stellte die Delegationen aus den Diözesen des Nordens Perus vor. Nach den Grußworten aus Freiburg durfte ich über die vielfältigen Formen der Solidarität in der Partnerschaft sprechen. Ich habe es sehr gerne getan und war dankbar über die Anregungen aus dem neuen Heft der Abteilung Weltkirche und des Ausschusses „Peru-Partnerschaft“ des Diözesanrates „Bewegt von der Hoffnung – Peru-Partnerschaft Erzdiözese Freiburg“. Jürgen Huber erinnerte in seiner Ansprache an die Anfänge der Partnerschaft und an Reflektionen des verstorbenen Domkapitulars Wolfgang Zwingmann. Die Transparenz beim Umgang mit den Spendengeldern war wie so oft ein wichtiger Punkt. Abschließend zitierte Jürgen Huber aus den Reflektionen von Mons. Wolfgang Sauer zum neuen Leitwort „Bewegt von der Hoffnung – Es ist Zeit zur Aussaat“. Auch die vom „Consejo Nacional de la Partnerschaft“ verfassten Leitlinien wurden gut aufgenommen und empfohlen.

Inzwischen war auch der Weihbischof von Piura und Tumbes, Mons. Augusto Beuzeville, gekommen, um über die Solidarität innerhalb der kath. Kirche zu sprechen.

Nach den mitreißenden Dynamicas, die den Kreislauf wieder auf Trapp brachten, und einer kurzen Erfrischungspause arbeiteten wir in Gruppen weiter.

Die ruhige Athmosphäre während der Gruppenarbeit gefiel mir sehr gut. Der Generalvikar von Huaraz, Padre Elmer Norabuena, meinte beim Plenum, dass offenbar endlich das Zweite Vatikanische Konzil angekommen sei.

Das ist alles ein großes Hoffnungszeichen und der Partnerschaftsbaum wird weiterhin seine Zweige in den Himmel strecken.

Mit Begeisterung lernten alle das Lied zum neuen Leitwort – beim deutschen Text wurde es deutlich leiser -, aber beim spanischen war wieder volle Lautstärke angesagt. In der Zwischenzeit teilten die Besucher aus Sinsheim Samenkörner aus – Bucheckern und Wachtelbohnen, die mit großer Freude als Symbol aufgenommen wurden. Ich vermute, dass es nun bald in verschiedenen nördlichen Partnergemeinden Buchenwälder geben wird!!!

Am Samstagabend feierten wir die Abschlussmesse mit dem Erzbischof von Piura und Tumbes, Mons. Oscar Cantuarias, der in seiner Predigt darauf hinwies, dass man die Partnerschaften in Gemeinden real erleben müsste. Schade, dass er nicht beim Treffen anwesend sein konnte, er hätte schöne Erfahrungen gemacht. Als Symbole der Verbundenheit nahm der Erzbischof eine in Sinsheim gefertigte Kerze und einen Stein vom Freiburger Münster entgegen.

Nach der Messe lud die politische Gemeinde Querecotillo alle Teilnehmer zum Abendessen in ein hübsch geschmücktes großes Restaurant ein und Gruppen aus Bernal und Querecotillo zeigten verschiedene folkloristische Tänze.

Dass sowohl in Querecotillo als auch in Bernal die politische Gemeinde am Treffen aktiv teilnahm, zeigt uns, dass die Partnerschaft weit über die Grenzen der Kirche hinaus Früchte trägt.

Am Sonntag waren wir dann alle zu einer Tour nach Bernal eingeladen. Abfahrt 7 Uhr mit dem Bus! Jürgen und ich saßen in völliger Ruhe beim Frühstück, während die anderen deutschen Gäste schon unruhig und nervös ob unserer Gelassenheit auf die Uhr schielten. Vermutlich hat mich die peruanische Mentalität schon angesteckt, denn um 8 Uhr saßen wir immer noch bei guter Unterhaltung am Tisch. Und ohne uns wären unsere peruanischen Geschwister ja eh nicht losgefahren, oder? Um 9Uhr !!! „pünktlich“ (hora peruana) kam dann der Bus. Einer! Aber alle passten wir rein, zu dritt und viert auf dem Sitz und stehend oder hockend im Gang. Frühstück gab’s im Bus und viel Gesang und Lachen, sodass wir beinahe die Abzweigung nach Bernal verfehlt hätten. Zuerst wollte mir der Busfahrer nicht glauben, dass wir nicht in Richtung Sechura fahren dürfen – wie sollte das auch ausgerechnet eine Deutsche wissen! – aber schließlich entschied er sich doch zum Wendemanöver auf der engen Strasse und landete beinahe in einem Graben.

Am Ortseingang von Bernal mussten wir alle den Bus verlassen und erlebten einen großen, für mich sehr bewegenden Empfang mit einer Musikgruppe, Vertretern der kirchlichen und politischen Gemeinde und natürlich vielen Menschen jeder Altersstufe. In einer Prozession gingen wir zur Kirche, um auch für dieses schöne Partnerschaftsfest zu danken. Viele fleißige Hände hatten die Kirche sehr schön hergerichtet und geschmückt, sicherlich eine große Arbeit, wenn man weiß, dass große Vögel, derer man einfach nicht Herr wird, immer wieder die Kirche in einen jämmerlichen Zustand versetzen.

Weiter ging die Prozession zur Gesamtschule, wo wir unter einem großen Zeltdach an hübsch gedeckten Tischen Platz nehmen durften. Heute war das Zeltdach sehr angenehm, denn zum ersten Mal wärmte uns die „piuranische“ Sonne, die sich auch in diesem Jahr hier sehr rar gemacht hat. Von wegen „sol eterno“, ewige Sonne! Ich habe mich vergeblich danach gesehnt.

Fleißige Frauen aus verschiedenen Weilern tischten uns ein reichhaltiges Mittagessen auf und natürlich wurde uns auch die berühmte (sehr gute, aber leider auch gefährliche!) Chicha angeboten. Sie wird in einem Mategefäß serviert, das von einem zum anderen gereicht wird, etwas, was meinen Mitbegleitern aus der Heimat eine nicht gerade begeisterte Miene ins Gesicht zauberte. Auch hier zeigten uns die Kinder der berühmten Folkloregruppe aus dem Weiler San Cristo ihre Tänze und – wie könnte es in Peru anders sein? –  ganz spontan entstand ein Programm auch unter der Mitwirkung vieler Partnerschaftsgäste.

Schade, dass wir bald aufbrechen mussten, aber viele hatten ja noch 24 Stunden Rückreise vor sich, und auch für uns hieß es Abschied nehmen.

Es war ein gelungenes Partnerschaftstreffen und ich danke Gott, dass ich zusammen mit der kleinen Gruppe aus Sinsheim daran teilnehmen durfte. Die vielen schönen Begegnungen und Erlebnisse inmitten einer großen Partnerschaftsfamilie sind tief eingegraben in meinem Herzen und ich bin sicher, nicht nur in meinem.

2003

Das Jahr 2003 war für die Perugruppen ein ereignisreiches Jahr. Zum ersten Mal traf sich der Consejo Nacional  und der Ausschuss Peru-Partnerschaft des Diözesanrates zu einem Arbeits- und Begegnungswochenende in Freiburg und dann beim gemeinsamen Partnerschaftstag in Rastatt,  wo sich wie jedes Jahr Vertreter vieler Gemeinden, die Perupartnerschaften pflegen, treffen. Die vielen bewegenden Zeugnisse, die die Vertreter des Consejo Nacional ablegten, werden vielen, die in Rastatt dabei waren, in Erinnerung bleiben. „Mein Partnerschaftsbaum“ war das Thema unserer Gruppenarbeit. Viele Erfolge, Träume, Sehnsüchte, aber auch Trauriges hat mancher „Partnerschaftsbaum“ erlebt. Der Höhepunkt in Rastatt war mit Sicherheit das Pflanzen eines Ginkgo-Baumes als Symbol unserer Partnerschaft durch unseren neuen Erzbischof Dr. Robert Zollitsch und den peruanischen Bischöfen. Möge er viele Jahre Symbol der Partnerschaft sein und uns immer zu neuen Partnerschaftsverbindungen ermutigen.

2004

Im Januar 2004 reiste Erzbischof Dr. Robert Zollitsch und Mons. Wolfgang Sauer nach Peru und brachten das neue Leitwort unserer Partnerschaft für die Jahre 2004 und 2005 mit:

Solidarios en la esperanza – damos testimonio de Iglesia unida

 In der Hoffnung solidarisch verbunden –

Zeugnis ablegen für die Gemeinschaft der Kirche

Am Samstag, den 24. April 2004, fand im Bildungshaus St. Bernhard in Rastatt das 21. Diözesane Partnerschaftstreffen statt. Es stand unter dem Thema „Peru – Gesellschaftspolitische Analysen“.

Bischof Bambarén aus Chimbote / Peru und Dr. Ulrich Fanger vom Arnold-Bergstraesser-Institut in Freiburg haben den 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in eindrucksvollen Referaten aufgezeigt, wie die gesellschaftlich-politische Situation in Peru heute aussieht und auf welchen historischen Entwicklungen diese beruht.

Aber auch die erste Reise unseres Erzbischofs nach Peru durften wir „mit erleben“. An Hand der schönen Fotos konnte man sehen, wie begeistert der Erzbischof aufgenommen wurde und er auch selbst war. Er hat die Herzen der peruanischen Geschwister mit seiner Herzlichkeit erobert. „Partnerschaft tiene futuro – Partnerschaft hat Zukunft“, Worte des Erzbischofs, die Ansporn und Verpflichtung sind.

2005

Das Jahr 2005 – Aufbruch im Umbruch – Partnerschaft tiene futuro

Zum 22. Diözesanen Peru-Partnerschaftstreffen kamen ca. 180 Vertreterinnen und Vertreter aus 70 Pfarrgemeinden, um ihre Partnerschaftserfahrungen auszutauschen und neue Impulse zu erhalten.

Hauptreferent war Pfr. Bernd Klaschka, Geschäftsführer von Adveniat. Auf dem Hintergrund seiner langjährigen Lateinamerika-Erfahrung sprach er über Aufbrüche in der Kirche Lateinamerikas, ihre Bedeutung für die Kirche in Deutschland und Impulse für die Gestaltung von weltkirchlichen Partnerschaften. Domkapitular Wolfgang Sauer führte in seinem Referat aus, wie wichtig es ist, den Prozess der im Erzbistum Freiburg entstehenden Pastoralen Leitlinien auch unter weltkirchlichem Horizont zu gestalten. In der Gruppenarbeit ging es von daher um die Fragen, was Auftrag, Aufbruch und Abschied im Kontext der jeweiligen Partnerschaftserfahrung bedeutet.

Der Begegnungstag in Rastatt stand auch unter dem Zeichen des Abschieds von Birgit Huber, die nach über 10 Jahren Mitarbeit in der Abteilung Weltkirche einen neuen beruflichen Weg einschlägt. „Ich hätte mir keinen schöneren Abschied vorstellen können, als dieses Partnerschaftstreffen in Rastatt“, so führte sie aus.

Eine Eucharistiefeier in der Kirche Maria Königin des Friedens unter musikalischer Mitgestaltung der „Palomas de Paz“ (Friedenstauben – ehemalige Cäcilienspatzen) aus Kirchardt führte alle im Dank zusammen und gab Kraft für den weiteren Weg der Partnerschaft.

2006

Im März 2006 kam Padre Juan Goicochea wieder zu uns, um mit uns einen Gottesdienst zu feiern, den die Palomas de Paz musikalisch umrahmten. Am Nachmittag zeigte er uns Dias vom Behinderten-Projekt in Bernal/Bellavista und wir konnten staunen, wie weit sich das Projekt entwickelt hat.

An Hand eines Filmes sprach er im zweiten Teil über die Menschen, besonders der Kinder, auf der Straße in Peru und auch bei uns in Deutschland.

Das Jahr 2006 war für mich selbst ein ganz besonderes Jahr, denn ich war eingeladen, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch vom 18. – 30. April nach Peru zu begleiten.

Dazu ein kleiner Reisebericht:

Die kleine Osterkerze, die in der Osternacht in Obergimpern für unsere peruanischen Geschwister geweiht wurde, ist Ihnen mit Sicherheit noch in guter Erinnerung. Sie brennt heute zur Ehre Gottes in Bernal und abwechselnd in den dazugehörenden Weilern.

Da ich zu der Delegation der Erzdiözese gehörte, die von unserem Erzbischof Dr. Robert Zollitsch zu einer Reise nach Peru eingeladen wurde, war diese Kerze Teil meines Gepäcks. In unserer Gruppe waren noch Domkapitular Wolfgang Sauer, Thomas Belke als persönlicher Referent des Generalvikars und Mitarbeiter in der Abteilung Weltkirche, die Diözesanratsvorsitzende Christel Ruppert, Stephan Langer, Journalist vom Konradsblatt und Gerhard Löhr vom Ausschuss Peru-Partnerschaft, dem ich auch angehöre.

Anlass dieser Reise waren zwei Ereignisse: Danke Sagen, so wie es unser Erzbischof formulierte, für 20 Jahre Partnerschaft zwischen der Erzdiözese Freiburg und der Kath. Kirche Perus und dann die Feierlichkeiten zum 400jährigen Gedächtnis des Hl. Toribio, des Nationalheiligen von Peru.

Immer wieder betonte  unser Erzbischof – für ihn war es die 2. Reise nach Peru –  wie sehr ihm die Partnerschaft am Herzen liege und dass die Partnerschaft die konkrete Erfahrung von Weltkirche sei. Des öfteren sagte er: „Der Glaube wird verschieden gelebt, aber immer ist es der eine katholische Glaube.“ Was sowohl unsere peruanischen Geschwister als auch uns immer wieder beeindruckte, war seine Äußerung: „Ich bin gekommen, um zuzuhören und von Ihnen zu lernen.“

Stationen unserer Reise waren:

Lima, die Hauptstadt Perus: Dort besuchten wir den Ständigen Rat der Bischofskonferenz, wobei Fragen der  Partnerschaft auf dem Programm standen. In der Sozialkommission der peruanischen Bischofskonferenz, deren Direktor über die Menschenrechtssituation in Peru  berichtete, erfuhren wir, wie wichtig die Unterstützung unserer Partnerschaftsgruppen ist. So waren Perukreise des Dekanates Kraichgau beteiligt, ein Bergwerksprojekt in Piura zum Wohle der Landwirtschaft zu verhindern.                                                 

Nach zwei Tagen flogen wir dann nach Cusco: Dort stand neben Besichtigungen, Besuchen bei Partnergemeinden und von Projekten ein großes Südtreffen der Partnergemeinden auf dem Programm. Es war das erste dieser Art, bei dem sich alle Partnergemeinden des Südens trafen. Uns beeindruckte die Bereitschaft der Teilnehmer, teilweise  bis zu 12 Stunden Anfahrt in Kauf zu nehmen. Sie kamen von Tacna, der Grenzstadt zu Chile oder vom hoch gelegenen Titicacasee. Von Cusco führte uns der Weg zurück nach Lima und vom Flughafen direkt mit zwei Geländewagen nach Churín: im tiefsten Peru gelegen. Etwa 6 Stunden ging es zunächst über ein kurzes Stück der Panamericana auf einem Schotterweg hinauf in die Berge. Der Weg schlängelte sich rechts am Fels entlang, während es links auf der anderen Seite über Hunderte von Metern in die Tiefe ging. Bei Regen ist dieser Weg nicht zu befahren. Ca. 100 LKWs fahren täglich die Strecke, weil sich in 5000m Höhe Kupferminen befinden. Pfarrer Wilfrid Woitschek aus Dossenheim bei Heidelberg ist dort seit vielen Jahren tätig und hat sich über den Besuch seines Erzbischofs besonders gefreut. Er ist für ein Pfarrgebiet von der Größe des Odenwaldes zuständig. Es umfasst 40 Dörfer, zu denen er teilweise bis zu 3 Stunden auf schmalsten Schotterpisten fahren muss. In Chiuchin, etwa zwei Stunden entfernt, segnete unser Erzbischof ein Internat, in dem die Kinder während der Woche wohnen, um überhaupt in die Schule gehen zu können. Im Augenblick ist Frederick, ein Voluntario, dort in Chiuchin. Das Voluntariat ist ein besonderes Jugendprogramm innerhalb der Partnerschaft, in dem Jugendliche ein Jahr lang in einer Einrichtung in Peru mithelfen können. Die Fahrt von Churín zurück nach Lima werden wohl alle nicht vergessen, denn an einem einzigen Tag sollten wir die verschiedendsten Regionen von arm und reich kennenlernen: die Einsamkeit in herrlicher Natur – Rückfahrt über Schotterwege nach Huacho am Pazifik, wo eine Festmesse in der Kathedrale gefeiert wurde. Halt machten wir an der Gedenkstätte von Silvia Ruff, einer jungen Frau aus dem Perukreis von Waldkirch, die mit 21 Jahren auf dem Weg zu ihrer Partnergemeinde dort tödlich verunglückte. Sie und ich hatten uns damals auf unsere erste Reise nach Peru vorbereitet. Leider konnte sie ihre Partnergemeinde nie wirklich sehen. Auf der Panamericana ging es weiter an Wüstenbergen vorbei, an denen sich bis oben die Hütten der Armen, ohne Wasser und meist ohne Strom, befinden. Über einen Toten, der in der Nähe der Straße liegt, regt sich niemand auf, er gehört zum alltäglichen Anblick. Bald darauf erreichten wir das Zentrum von Lima, das sehr gepflegt wird und in dem die Grünanlagen beregnet werden müssen, denn in Lima regnet es nie. Der Besuch beim deutschen Botschafter führte uns am Abend ins Nobelviertel von Lima. Sie werden verstehen, dass bei diesem Wechsel unsere Seele nicht immer gleich mitkam, die verschiedendsten Eindrücke sind nur langsam zu bewältigen.

In Lima gab es zunächst ein Treffen mit dem Consejo Nacional, das ist die peruanische Seite unseres Peru-Ausschusses. Am nächsten Tag gedachten wir mit zigtausenden von Menschen in der Innenstadt von Lima des Schutzheiligen von Peru, des Heiligen Toribio. Mit großer Freude und tiefer innerer Bewegung konnte ich am Tag danach beim großen Partnerschaftstreffen unsere kleine Osterkerze den Vertretern von Bernal überreichen. Sie hatten für diesen Moment der Begegnung eine Reise von ca. 1400 km hinter sich. Schwester Margarita, die viele aus Briefen kennen,  gab mir für unseren Pfarrer, Peter Malejka, eine Vase aus Ton mit. „Von Hand gemacht aus der Pachamama, der Mutter Erde, erinnert sie an unseren eigenen Schöpfungsweg. Während ihr Glanz durch das Polieren mit einem Stein hervorgerufen wird, entsteht das Leuchten der Partnerschaft durch den Geist Gottes. Bei der Herstellung dieser Vase wurde viel gebetet und meditiert. So ist sie ein Gefäß, das nicht nur den Blumenstrauß des Dankes aufnehmen soll, sondern auch  als Symbol gesehen werden darf für das weitere Blühen und Wachsen unserer Partnerschaft“, so Schwester Margarita. Sie gab mir noch einen Film über die Arbeit der Schwestern in der Partnergemeinde mit zum Zeigen in der Gemeinde.

Herzlichen Dank sage ich Pfr. Malejka im Namen unserer peruanischen Geschwister für das symbolhafte Geschenk der Osterkerze. Ich wünsche unserer Partnerschaft Gottes reichen Segen.

Am 6. Mai kamen wir zum 23. diözesanen Partnerschaftstreffen in Rastatt zusammen. Beate und Dominique aus unserem Perukreis waren dabei. „Die Partnerschaft ist ja älter als ich“, stellte Dominique fest und war die Jüngste unter fast 200 Teilnehmern.

Aus Anlass des 20jährigen Bestehens der Partnerschaft waren vier Delegierte des Consejo Nacional zu Gast: Lidia Portocarrero, Monseñor Salvador Piñeiro, P. Victor Díaz, P. Felipe Zegarra.

Zu Beginn wurde die neue Partnerschaftskerze entzündet. Neben dem Partnerschaftszeichen und dem Logo der Erzdiözese Freiburg findet sich auf der Kerze auch das aktuelle Leitwort:

   In der Gemeinschaft des Glaubens –

als Kirche berufen zum Dienst an den Menschen

 En la comunidad de fe la iglesia nos llama para servir al hombre

Der Tag war von einem herzlichen Miteinander und Dank gegenüber dem „Weg der Partnerschaft“ geprägt. Mit Bildern und Wortbeiträgen wurde die Entwicklung dieser auf Geben und Empfangen angelegten Verbindung in Erinnerung gerufen. Die Teilnehmer/innen tauschten sich über ihre Motivation für die Partnerschaft aus.

Domkapitular Sauer zeichnete im Auftrag des Erzbischofs mehrere Personen mit der neu geschaffenen Partnerschaftsmedaille aus. Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde dieser Tag der Begegnung beschlossen. Mons. Salvador Piñeiro rief den Teilnehmer/innen zu: „La Partnerschaft tiene más futuro que pasado – die Partnerschaft hat mehr Zukunft als Vergangenheit“. 

Ja, möge sich dieser Wunsch erfüllen:

Partnerschaft hat mehr Zukunft als Vergangenheit

2007

Das Jahr 2007 stand für uns ganz unter dem Thema

Sich kennenlernen – einander begegnen – miteinander feiern

…denn unsere peruanischen Geschwister aus der Pfarrei San Francisco de Asis in Bernal feiern mit uns, der Kirchengemeinde St. Ägidius, Kirchardt, 20 Jahre Partnerschaft. Dieses kleine Jubiläum durften wir mit einem Dankgottesdienst im November 2006 beginnen.

Partnerschaft lebt nicht nur vom Gebet füreinander, vom Briefwechsel miteinander, sondern auch vom gegenseitigen Kennenlernen. Wir freuten uns über den Besuch von Schwester María und Jaime Benites vom 3. – 15. April in Kirchardt. Beide sind aktive Mitglieder der Partnerschaftsgruppen in Peru und haben sich um die Lebendigkeit der Partnerschaft verdient gemacht. Schwester María aus der piuranischen Sierra an der Grenze zu Ecuador gehört zu den Vinzentinerinnen von San Paúl. Seit 25 Jahren gibt es eine Niederlassung in Bernal/Bellavista, also einem Teilort der Seelsorgeeingheit San Francisco de Asis in Bernal. Jaime Benites, arbeitet als medizinisch technischer Assistent in der medizinischen Station der Schwestern. Er konnte mit unserer finanziellen Hilfe das eine oder andere medizinische Programm verwirklichen. Als Katechet arbeitet er aktiv in der Pfarrei mit. Jaime wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern im gleichen Weiler Bellavista.

Unsere peruanischen Geschwister konnten viele abwechslungsreiche und für sie sehr beeindruckende Tage erleben.

Neben den Besuchen bei Freunden, Besichtigungen und Ausflügen in die nähere und weitere Umgebung sind vor allem die Treffen im Gemeindehaus zu erwähnen, wo wir zusammen mit anderen Gemeindemitgliedern gemeinsam frühstückten und dabei viele interessante Fragen beantwortet wurden.

Aber auch die Kinder im Kindergarten, denen wir einen Besuch abstatteten, stellten unseren Gästen eine gute Frage, denn: Womit spielen die Kinder in Peru?

Frau Gold hatte ihre Gruppe auf diesen Besuch gut vorbereitet. So zeigten uns gleich die Kinder, wo das Land Peru auf dem Globus zu finden ist. Und natürlich hörte man staunend der anderen Sprache zu, als wolle man von den Lippen die spanischen Wörter ablesen und verstehen.

Nicht weniger beeindruckt waren Schwester Maria und Jaime vom Kindergarten. Sie bestaunten die hellen Räume, die vielen Spielmaterialien und natürlich die zahlreichen Basteleien der Kinder. Sehr erstaunt war man über die kindgerechten sanitären Anlagen und dass die Kinder frühzeitig lernen, auf ihre Gesundheit und auf Hygiene zu achten, denn oft werden heute noch in Peru Schulen gebaut, die noch nicht einmal sanitäre Anlagen haben, weil es kein Wasser gibt. Welch eine Sauberkeit und Ordnung hier! Das ist den Gästen immer wieder aufgefallen. Dann gab es noch viele Fragen zu beantworten, so zum Beispiel ob Peru am Ende der Welt liege oder wo überhaupt das Ende der Welt sei.

Oder womit spielen denn jetzt die Kinder in Peru?…

….mit Murmeln, wie hier die Kinder, mit ausgedienten Fahrrad- und Autoreifen!

Vieles andere gibt es nur in Träumen!

Aber vielleicht malen die Kinder dort bald Bilder mit Fingerfarben, denn das Rezept haben unsere Gäste nach Peru mitgenommen und viele, viele Ideen mehr.

Ein Erlebnis besonderer Art war auch der Besuch des Rosenhofes, einem großen Bauernhof in Sinsheim-Rohrbach. Pfarrgemeinderat Rudi Weiß war es zu verdanken, dass dieser Besuch zustande kam. Um 14 Uhr wurden wir dort von Chefin Frau Kress und ihrem Sohn erwartet.

Der junge Landwirt führte uns fachmännisch durch den Bauernhof, der 100 ha bewirtschaftet, daneben eine große Anzahl von Milchkühen und eine Schweinezucht besitzt. Von den verschiedenen Ställen für Milchkühe, trächtige Kühe, den „Kinderstuben“ vom Neugeborenen bis zum jungen Kälbchen, von der gut organisierten Melkanlage und natürlich von den großen Landmaschinen waren alle tief beeindruckt, und wir „löcherten“ den jungen Landwirt mit vielerlei Fragen, deren Antwort er nie schuldig blieb. Nachdem er uns die verschiedenen Arten der Futterzubereitung für die Milchkühe erklärt und von der Schweinezucht erzählt hatte, widmete er sich wieder seiner Arbeit, während wir von Frau Kress durch den Laden und die Nebenräume geführt wurden, wo wir die einzelnen Maschinen zum Zerlegen, Räuchern, zur Wurstzubereitung bis zum Endprodukt im neuen und freundlichen Laden bestaunen konnten.

Zum Schluss lud uns Frau Kress noch zu einem ganz frischen Glas Milch ein, die uns alle  hervorragend schmeckte. Bepackt mit einer Wursttüte – einem Geschenk des Rosenhofes – verabschiedeten wir uns herzlich.

Ebenso interessant war unser Besuch in der Gemeindebücherei bei Frau Claudia Senghaas, die die Gäste aufs Herzlichste willkommen hieß.

Beide Gäste zeigten sich begeistert von der Medienvielfalt der Kirchardter Bücherei und bewunderten v.a. die Ausstattung und Illustrationen der Bücher. Schwester María konnte sich nicht an den Bildern, Postern und Dekorationen sattsehen und nimmt, wie sie sagte, nun so manche Anregung mit nach Hause.

Der Abschied fiel schwer – das Treffen war trotz der Sprachbarriere – eine wunderschöne und tiefe Erfahrung, denn auch mit Gesten, Mimik und einer Umarmung kann man sich gegenseitig reich beschenken und Sympathie bekunden, so Claudia Senghaas.

Sowohl die einzelnen Feiern in der Karwoche wie das Osterfest waren für unsere Besucher ein einmaliger Höhepunkt. Tief beeindruckt waren Schwester Maria und Jaime vom Jugendkreuzweg, den Stefanie Kühne mit ihren Helferinnen gestaltet hatte. Unsere peruanischen Gäste feiern Ostern in ihrer Heimat ganz anders und so werden die vielen Symbole ihnen immer in Erinnerung bleiben und vielleicht sogar Anlass sein, eine ähnliche Feier in Peru einmal zu gestalten.

Sehr bewegt war insbesondere Schwester Maria, als sie bei der Auferstehungsfeier in Obergimpern eine Osterkerze in Empfang nehmen durfte. Sie wird bald in der peruanischen Partnergemeinde San Francisco de Asis in Bernal brennen und Symbol für unsere gemeinsame Freundschaft sein. Immer wieder konnten unsere Gäste feststellen, dass wir in den vergangenen 20 Jahren zu einer großen deutsch-peruanischen Familie geworden sind.

Ein Besuch in Freiburg bei Domkapitular Wolfgang Sauer im Referat Weltkirche rundeten diesen schönen Besuch ab, der für alle unvergesslich bleiben wird.

Am Samstag den 5. Mai fand im Bildungshaus St. Bernhard in Rastatt das 24. Diözesane Partnerschaftstreffen statt, zu dem 170 Teilnehmer aus rund 90 Partnerschaftskreisen gekommen waren. Außerdem konnte Domkapitular Wolfgang Sauer Herrn Martin Hagenmaier, Peru-Referent bei Adveniat und Peter Förg als Vertreter des Päpstlichen Missionswerks der Kinder (Sternsinger) begrüßen. Es ist schon von jeher Brauch, dass Vertreter der großen Werke zu diesem Treffen kommen.

Die Zeit nach der Mittagspause wurde von Michael Rodiger-Leupolz (Verantwortlicher für das Voluntario-Programm) und den ehemaligen Voluntarios Tobias Lutz-Bachmann und Barbara Ehrensberger gestaltet. Mit einem interessanten Vortrag stellten sie das Voluntario-Programm der Erzdiözese vor und stellten sich den Nachfragen der Teilnehmer.

Als ehemaliger Freiwilliger in Peru ist Thomas Belke im Jahre 1988 in die Abteilung Weltkirche gekommen und hat zusammen mit Domkapitular Wolfgang Zwingmann die Partnerschaft mit Peru maßgeblich aufgebaut. Auch bei uns in Kirchardt hat Thomas Belke über die Partnerschaft berichtet und uns besonders in unseren Anfängen geholfen. Nach fast zwanzigjährigem Engagement für sein Herzensanliegen Perupartnerschaft hat Thomas Belke nun zum 1. Februar 2007 die Abteilung Weltkirche verlassen. Auch wenn Thomas Belke selbst leider nicht in Rastatt sein konnte, nutzte Domkapitular Sauer doch die Gelegenheit dankbar auf sein Wirken zurückzuschauen und ihn mit der Partnerschaftsverdienstmedaille der Erzdiözese auszuzeichnen.

Einen schönen Abschluss fand dieser sehr intensive Tag wie in den Jahren zuvor in einem Gottesdienst in der Kirche Maria Königin.

Im September lud mich wieder eine Gruppe aus der Pfarrei Sankt Jakobus aus Sinsheim an der Elsenz ein, als Übersetzerin mit ihnen nach Querecotillo/ Sullana – im Norden Perus gelegen – zu reisen. Da unsere Partnergemeinde in Bernal – Bajo Piura nur ca. 2 Stunden von Sullana entfernt liegt, wollte ich nicht zurückkehren, ohne unsere  Partnergemeinde von Kirchardt besucht zu haben.

Hier einige Reiseeindrücke:

Wie immer , wenn man in unsere Partnergemeinde kommt, ist die ganze Gemeinde und viele aus den Weilern auf den Beinen, um den Gast zu begrüßen. Man kann sich die Herzlichkeit hier kaum vorstellen, aber sich auch gegen die vielen Umarmungen und Küssen nicht wehren. So ist das eben.

Dieses Mal sollte ich die Weiler kennen lernen und so wurde ich jeden Morgen früh abgeholt, denn die Weiler liegen oft Stunden von Bernal entfernt. Meist sind wir mit dem Mototaxi gefahren, das auf den schmalen Wegen in der Wüste schon eine Tortur ist. Aber es lohnt sich immer, vor allem wenn man einen Besuch in einer Schule macht, die sich dann für die Schulbücher und Schulhefte bedankt, die die Kirchardter Schule der Partnergemeinde gestiftet hat. Oder ein Besuch bei Santos weit draußen auf einem Weiler, der den ersten Rollstuhl aus Kirchardt bekommen hat. Da ist man schon bewegt.

In Bernal hat sich vieles getan, was das Aussehen der Gemeinde betrifft. Es ist vieles besser geworden, es gibt Elektrizität, die allerdings oftmals am Tag streikt, aber Wasser gibt es immer noch nicht. Und dann sehr viele ohne Arbeit, selbst Gymnasiallehrer müssen sich ihren Unterhalt als Mototaxifahrer verdienen. Die Armut ist nach wie vor sehr groß.

Da die Schwestern einige Kühe gekauft haben, bekommen die Kinder wenigstens einmal am Tag ein Glas Milch. In solche Projekte sind immer mehrere Familien eingebunden, die dadurch ein kleines Einkommen haben, sobald die Milch verkauft werden kann.

Auch bei einem Treffen im Diabetikerzentrum konnte ich sehen, wie wertvoll die Arbeit der Schwestern ist. Es kommen Menschen aus der ganzen Region und lernen hier, mit ihrer Krankheit zu leben. Vorher haben sie sich aus Schande versteckt.

Drei große Themen waren Tagesgespräch in Peru: Das Erdbeben, das Bergwerk und die Auslieferung von Ex-Präsident Fujimori.

I. Am 15. August wurde der Süden Perus von einem Erdbeben der Stärke 8 heimgesucht. Die Städte Ica, Pisco und Chincha wurden dem Erdboden gleich gemacht und einige hundert Menschen starben. 

Die Solidarität sowohl national als auch international war unwahrscheinlich groß. Es wurden in allen Pfarreien des Landes Kollekten abgehalten und tonnenweise  Decken, Kleider, Lebensmittel, vor allem Wasser, und Medikamente gesammelt.  Leider scheiterte aber die Regierung. So waren z. B. 1 Monat nach dem Beben Tote immer noch nicht beerdigt! Die einzige Hoffnung setzte man auf die Kirche, die aber völlig überfordert war mit den Tonnen von Kleidern, Lebensmitteln und Medikamenten. Da die Hilfe anfangs nicht in die kleinen Weiler und abgelegenen Dörfer ankam, haben viele eigene Initiative ergriffen, sind mit Lastwagen dorthin gefahren und haben selbst die Hilfsgüter verteilt.

Dann wurden bald viele Helfer wieder abgezogen, sodass die Leute selbst sehen mussten, wie sie zu Recht kommen. Die Not ist nach wie vor groß. So haben z.B. in  Chincha 70% der Bevölkerung keine Häuser mehr, die aus Adobe, aus Lehmziegeln, waren. Sie schlafen auf dem Boden auf der Straße oder in Zelten und es ist sehr kalt. (10 Grad, Luftfeuchtigkeit 100%) Volksküchen wurden eingerichtet, um wenigstens die Asentamientos humanos und die Pueblos jóvenes mit Nahrung, Decken, Matratzen, Kleidung, Schuhe und Medizin zu versorgen. Alles geschieht in Abstimmung mit Caritas Peru oder Caritas International.  (Als Partnergemeinden in der Erzdiözese sind vor allem Pforzheim, Villingen und MA betroffen.)

Jetzt baut man die Häuser wieder auf, meist leichte Holzhäuser, aber auch die menschliche Seele muss aufgebaut werden – aber da fehlt es vor allem an psychologischer und geistlicher Hilfe. Menschen haben zu lange neben ihren Toten geschlafen oder eine ganz junge Frau aus Cusco berichtete, dass sie ihren Mann und ihre kleinen Kinder verloren habe. Sie ist völlig allein und wie sie sind viele Menschen verzweifelt und ohne Hoffnung. Vor allem auf die Kirche hat man sich gestützt, die sich um die Waisenkinder und um alte Menschen gekümmert hat. So sagt Mons. Guido Breña, Bischof von Ica, in einem Schreiben an Erzb. Zollitsch, dass vor allem die Pueblos jóvenes und weit entfernte Weiler die Hilfe aus der Erzdiözese Freiburg bekommen werden.

Eine Beobachtung von mir war, dass trotz dieses schweren Bebens die Menschen oft Warnungen gleichgültig aufnehmen. So hat man zum Beispiel in Piura eine Übung angesetzt, damit im Ernstfall die Menschen richtig handeln. Niemand hat daran teilgenommen, obwohl gerade 1970 bei einem Erdbeben in Yungay und Piura 70.000 Opfer zu beklagen waren.

II. Das zweite große Thema, das ich hautnah erlebt habe, war die Volksabstimmung über das Bergbauprojekt der Firma Majaz und das Projekt Río blanca in Ayabaca, Pacaipampa, Carmen de la Frontera, Huancabamba in der Sierra von Piura, im Norden Perus.

Peru ist eines der reichsten Länder was Pflanzen, Tiere, Fische, Wälder und Mineralien betrifft. Aber diese Bergwerke, die ohne Lizensen arbeiten, bringen das ganze Ökosystem durcheinander und sind eine große Gefahr für die Nebelwälder in Piura. Erfahrungen anderer Bergbaugebiete sind bekannt: die Stadt „La Oroya“ liegt an sechster Stelle der schmutzigsten Städte der Welt, ein wahrlich trauriger Rekord, und die Kinder mit Blei verseuchtem Blut leiden an Krebs und vielen möglichen schleichenden Krankheiten. Oder der Fluss Mantaro, der früher einer Vielzahl von Fischen Heimat bot, ist heute total verseucht und tote Fische treiben im Wasser. Der Bischof von Puerto Maldonado, in der Selva im Südosten Perus, erzählt, dass eine Mine ihre Abfälle rund um ein Dorf ablädt. Inzwischen ist das Dorf von einem Wall aus Müll umgeben und liegt wie in einer Senke, d.h. das Dorf verstickt regelrecht im Müll. Aus diesen Erfahrungen heraus haben sich die Bauern und Bäuerinnen in Piura zusammengeschlossen, um über ihre Zukunft zu entscheiden. Die Volksbefragung über das Bergbauprojekt „Rio Blanco“ hat am 16. September 2007 stattgefunden und war ein demokratischer Erfolg. 95% der Wahlbeteiligten, die bis zu fünf Stunden Fußweg laufen mussten, um die Wahlurnen zu erreichen, lehnten das Bergbauprojekt ab. Die „Rondas Campesinas“, das ist eine Art Ortspolizei, hatten die Verantwortung dafür übernommen, dass die Befragung friedlich ablaufen sollte. Aber die Regierung hatte doppelt so viele Polizisten in die Region geschickt wie bei staatlichen Wahlen, was ein angespanntes Klima schuf. Außerdem hat die Regierung mit ihren Verleumdungskampagnen gegen die Organisatoren, gegen Bischöfe und Priester, die auf Seiten der Bauern stehen, dafür gesorgt, dass die Abstimmung unter großem Druck stattfand. Mons. Daniel Turley, Bischof von Chulucanas z. B., wurde von der Presse in Piura und ganz Peru angegriffen und verleumdet.

Doch das Verhalten der Bevölkerung und ihrer Organisationen war sehr friedlich. Unterstützt wurden sie auch von einem Komitee aus Tambogrande, einer Stadt im Departement Piura, deren Bewohner sich vor einigen Jahren gegen das Minenprojekt des kanadischen Unternehmens Manhattan mit Erfolg gestellt hatten und dafür für ihren friedlichen Kampf den Friedenspreis der Menschenrechtsorganisationen bekommen haben. Außerdem kamen viele Solidaritätsschreiben aus Peru, der Bischofskonferenz und auch aus vielen anderen Ländern und großen Institutionen, wie Caritas und Misereor.

Das Ereignis in der Sierra von Piura bezeichnen viele Politologen und Juristen in Peru als „Fest der Demokratie“. Die Menschen zeigen damit, dass sie sich ihrer Verantwortung als Bürger bewusst sind. Die Volksbefragung ist ein wichtiger Schritt für die Arbeit in der Verteidigung des Lebens und für mehr Demokratie. Aber der Weg dorthin ist sehr lang in einem Land, in dem die Mehrheit der Bevölkerung in Armut lebt und unter Exklusion leidet und in einem Land, in dem die Regierung und die Eliten ihre Verantwortung für diese Menschen und die Umwelt nicht übernehmen möchten.

Präsident Alan Garcia spielt den Erfolg der Volksbefragung total herunter. Er versuchte sogar in einer Rede die peruanische Bevölkerung davon zu überzeugen, dass sich das Handeln der Bauern in Huancabamba und Ayabaca gegen den Reichtum des Landes richtet. Er behauptet, dass Peru kurz vor dem Punkt stünde, an dem die Armut des Landes mit Hilfe des Bergbaus überwunden werden könne.

Sicher wird die Meinung Garcías noch bestärkt, da die Städte Paita, Piura, Sullana, Talara, Morropón und Sechura sich für den Bergbau entschieden haben und sogar dafür in Piura marschiert sind. Ich habe mich erkundigt, wie dieses Ergebnis zustande kommt. „Aus Gleichgültigkeit!“ hat man mir gesagt. Die Städte sind weit weg von der Sierra. Was man allerdings nicht bedenkt, dass diese Küstenstädte ihr gesamtes Wasser aus dem Wasserreservoir „Los Poechos“, an der Grenze zu Ecuador, bekommt. Dieses Wasserreservoir wird gespeichert aus den Flüssen der Sierra. In naher Zukunft wird also verseuchtes Wasser bis in die Küstenstädte kommen und Land und Vieh und damit auch den Menschen, der auch sein Trinkwasser aus diesen Kanälen holt, verseuchen und krank machen. Inzwischen hat man einen „Runden Tisch“ in Piura einberufen, Einladungen haben aber nur die Befürworter erhalten, die Vertreter der Bauern wurden nicht eingeladen.

Die Regierung vertritt nur die Interessen des Unternehmens. Die Bürger in weit entfernten Gebieten werden nicht gehört, was aber in den Grundrechten eines demokratischen Staates verankert ist.

Die Wahrung der Schöpfung – Menschen, Flora, Fauna, Natur – steht in der Verantwortung eines jeden Christen und aller Personen in der Welt.

Die Kirche selbst ist nicht gegen das Ausnützen dieses Reichtums, aber es müssen bestimmte Bedingungen eingehalten werden, wie Bewahrung der Schöpfung, der Dialog mit den Bewohnern, der ausgeglichen, konstruktiv, tolerant sein muss und das Gemeinwohl im Auge haben muss. Dazu gehört die Gewissensbildung und dass man sämtliche Informationen erhält, um gemeinsam nach Wahrheit zu suchen. Nur gemeinsam kann man an einem Peru bauen, dann ist ein Fortschritt in Peru möglich.

III. Das dritte Thema war natürlich die Auslieferung Fujimoris von Chile nach Peru am 22. September und sowohl die peruanische Justiz als auch die Menschenrechtsorganisationen fordern einen gerechten Prozess, d.h. Fujimori stehen seine Rechte als Angeklagter zu, den Opfern steht Gerechtigkeit zu.

Fujimori hatte zusammen mit seinem Geheimdienstchef Vladimiro Montesinos ein Regime aufgebaut, wo Korruption, Erpressung durch Videos, Bereicherung, Wahlfälschungsbüros, Abbau der Rechtsstaatlichkeit und staatlicher Mord an der Tagesordnung waren.

Die Regierung von Alan Garcia, die wenig für die Auslieferung getan hat, soll ihre Verantwortung übernehmen und garantieren, dass der Prozess stattfinden kann.

Das Urteil zur Auslieferung Fujimoris ist ein großer Schritt in der Beseitigung der Straflosigkeit für Peru und Lateinamerika. Als Präzedenzfall kommt diese Entscheidung zu anderen Erfolgen: Der Auslieferungsantrag von Richter Baltazar Garzon gegen Pinochet von England nach Spanien, und zu dem Urteil des „Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshofs in Costa Rica“ über „Barrios Altos“, das ein Gesetz zur Straflosigkeit in Peru aufgehoben hat.

Fujimori hat schwere Menschenrechtsverletzungen begangen, die auch vom Interamerikanischen Gerichtshof in Costa Rica als Verbrechen gegen die Menschlichkeit angesehen werden.

So am 3. November 1991 in „Barrios Altos“, einem Armenviertel in der Altstadt Limas, wo 15 Personen durch das Militärkommando Grupo Colina während eines Grillfestes umgebracht wurden.

Dann am 18.Juli 1992  in La Cantuta, wo 9 Studenten und ein Professor der Pädagogischen Hochschule durch dasselbe Kommando hingerichtet wurden. Die Leichen ließ man hinterher verschwinden.

Die Gruppe Colina stand direkt unter dem Befehl von Fujimori. Diese Massaker sollten noch mehr Angst vor der Diktatur Fujimoris schüren.

Dann gab es weiter Menschrechtsverletzungen im Keller des Geheimdienstes.

Der Prozess und das zu erwartende Urteil sind ein Erfolg des peruanischen Staates und vor allem ein Erfolg der Menschenrechtsorganisationen und der Organisationen der Angehörigen der Opfer aufgrund ihres unermüdlichen Einsatzes für die Einhaltung der Menschenrechte in Peru.

Der Weg zur Gerechtigkeit ist in Peru noch lang. Doch wenn Fujimori für seine Taten bestraft wird, ist das ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.

2008

Gleich zu Anfang des Jahres 2008 feierten wir in einem festlichen Gottesdienst einen würdevollen Abschluss unseres Jubiläumsjahres anlässlich der 20 jährigen Partnerschaft mit der Gemeinde Bernal in Peru. Pfarrer Peter Malejka, Pfarrer Bernhard Schneider aus Lima und Militärpfarrer Uwe Schrempp – sie waren einmal Kurskollegen – konnten mit den zahlreich erschienenen Besuchern eine sehr beeindruckende und feierliche Eucharistie feiern, die vielen sicherlich lange im Gedächtnis bleiben wird. In seiner Ansprache betonte Pfarrer Bernhard Schneider, der in Lima die deutschsprachige Pfarrei betreute, wie wichtig es sei, über den Tellerrand hinaus zu schauen und sich immer wieder klar zu machen, dass Glaube trägt, dass Hoffnung in die Zukunft blicken lässt und dass alle, gleichgültig auf welchem Kontinent sie leben, welche Hautfarbe sie haben, welcher Rasse sie angehören und welche Sprache sie reden, in der Liebe Gottes geborgen sind. Er wünschte der Partnerschaft, die alle Stürme der Zeit bisher überdauerte, für die nächsten Jahre Gottes Segen und gab seiner Überzeugung Ausdruck, dass es sich immer lohne, an der Brücke der gegenseitigen Freundschaft und Wertschätzung zu arbeiten. So sei das Motto – Brücke der Hoffnung festigen – gut gewählt.

Nach der liturgischen Feier lud Pfarrer Peter Malejka die Gottesdienstbesucher zu einem Mittagessen in das Gemeindehaus ein. Rund 50 Gäste, Vertreter  befreundeter Perukreise aus Sinsheim, Wiesloch, Neckarelz und Neuthardt  folgten der Einladung und lobten übereinstimmend das schmackhafte peruanische Essen. Danach erläuterte Pfarrer Bernhard Schneider anhand einer Diaschau seine Arbeit in Lima, in der deutschen Pfarrei aber auch in einigen Slumgebieten dieser Millionenstadt. Bei anschließendem Kaffee und Kuchen gab es noch manches interessante Gespräch.

Zum 25. Partnerschaftstreffen am 26. April 2008 hatten sich im Bildungshaus St. Bernhard in Rastatt wieder ca. 170 Teilnehmer versammelt, darunter Mitglieder aus etwa 80 Partnerschaftspfarreien sowie Vertreter von Misereor, Adveniat, dem Päpstlichen Missionswerk der Kinder (Sternsinger) und Caritas International.

Hauptreferent des Tages war Prof. Josef Sayer, der Hauptgeschäftsführer von Misereor. In seinem zweigeteilten Referat, das er mit sehr viel Entusiasmus vortrug und dabei uns alle in seinen Bann zog, beschäftigte er sich mit dem Leitwort des 50. Jubiläumsjahres Misereors „Mit Zorn und Zärtlichkeit an der Seite der Armen“ und ging im zweiten Teil dann auf die Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe in Aparecida ein.

Der Surandino, die Bischofsversammlung in Aparecida, die Minenproblematik, das Erdbeben an Perus Küste im vergangenen August und Mikrofinanzsysteme – das waren die Themen, die in 5 Arbeitskreisen vertieft wurden. Als besonders hilfreich erwies sich dabei einmal mehr die Anwesenheit der Vertreter der Hilfswerke, die zum einen natürlich kompetente Gesprächspartner sind, zum anderen aber auch herzlich dazu eingeladen haben, bei Fragen im „partnerschaftlichen Alltag“ Kontakt zu den Fachinstitutionen aufzunehmen.

   Beim „emotionalen Höhepunkt“ nach der Mittagspause wurden auch in diesem Jahr verdiente Personen mit der Partnerschaftsmedaille ausgezeichnet. Allen voran war dies Prof. Josef Sayer, der seit vielen Jahren treuer Begleiter der Peru-Partnerschaft ist. Mit der Auszeichnung von Martin Hagenmaier, dem langjährigen Länderreferenten für Peru bei Adveniat, wurde dessen sehr effiziente Unterstützung für das Referat Weltkirche über viele Jahre hinweg gewürdigt. Er hat die Zuständigkeit für Peru an Herrn Michael Kuhnert abgegeben, der ebenfalls am Rastatter Treffen teilnahm. Auch Regina Eckert de Villanueva wird in Zukunft leider nicht mehr unmittelbar mit unserer Peru-Partnerschaft beschäftigt sein. Nachdem sie 4 Jahre lang die Freiwilligen des Erzbistums bei ihrem Einsatz in Peru begleitet hat, wird sie in Zukunft als Bildungsreferentin beim Päpstlichen Missionswerk der Kinder in Aachen arbeiten. Michael Rodiger-Leupolz, in der Abteilung Jugendpastoral verantwortlich für das Voluntario-Programm, bedankte sich besonders auch im Namen der Voluntarias und Voluntarios für ihr großartiges Engagement.

Eine Ehrung gab es bereits im Voraus. Während seiner Peru-Reise konnte Domkapitular Wolfgang Sauer die Verdienstmedaille an Pfarrer Bernhard Schneider überreichen, der nach fünfjähriger Tätigkeit in der Deutschen Gemeinde in Lima im Mai nach Deutschland zurückkehren wird. Sein Nachfolger war ebenfalls in Rastatt dabei – Tibor Szeles wird Anfang August die Stelle in Lima antreten.

Seinen Abschluss fand das Partnerschaftstreffen mit einem Gottesdienst in der Kapelle des Bildungshauses.

Seit vielen Jahren nimmt der Perukreis am Ferienprogramm der Kinder teil.

Diesmal haben wir keinen Spanisch-Sprachkurs angeboten, sondern wir betätigten uns als Baumeister einer Brücke. Es ging um eine ganz bestimmte Brücke, nämlich die Brücke aus Gras.

Ja, gibt es das denn wirklich?

So haben auch einige Eltern ungläubig gefragt, als sie unser Modell sahen, an dem die Kinder mit viel Eifer gebaut haben.

Doch, es ist Wirklichkeit, und zwar in den südlichen Anden Perus. Auf 4000 m Höhe wohnen auf beiden Seiten des reißenden Flusses Apurimac die Nachfahren der Inkas. Leider konnten sie sich früher nie treffen oder etwa ihre bescheidenen Waren austauschen, denn es gab keine Brücke und der Fluss war lebensgefährlich. So kamen die Menschen auf eine wunderbare Idee:

„Wir bauen eine Brücke, wir bauen unsere Brücke.“

Und so geschah es damals und geschieht es heute noch, denn die Brücke muss alle 1 bis 2 Jahre erneuert werden.

Alle Bewohner der beiden Dörfer, von den Kleinsten bis zu den Ältesten, klopfen und drehen das lange und starke Ichu-Gras, das dort in dieser Höhe wächst, denn in drei Tagen muss die Brücke fertig sein. Sie drehen es und flechten die Stränge zu 70 m langen Zöpfen, jeder so schwer, dass 15 starke Männer ihn tragen müssen.  So lang ist auch die Brücke, die die steilen Felsufer miteinander verbindet. Die schweren Zöpfe werden dann über den Fluss gespannt und mit dünnen Zöpfen und Riemen aus Lamaleder werden sie und die Geländer verbunden. Das ist eine schwere und gefährliche Arbeit, denn 16 Meter weiter unten tost der wilde Fluss. Bei jedem Windstoß schwankt die Brücke gefährlich. Danach werden noch Matten aus Zweigen auf den Boden gelegt, damit man mit den Füßen nicht durchrutscht. Am dritten Tag ist die Brücke fertig und alle feiern ein schönes Fest.

Aber: es gibt noch ein großes Geheimnis!

Wie kam denn der erste Strang auf die andere Seite des Flusses, als der Inka-Herrscher Pachacutec die erste Brücke bauen ließ?

Um das zu erfahren, müsst ihr nach Peru reisen. Dort ist ein Riesenvogel, der Kondor, zu Hause. Nur er kennt das Geheimnis. Und wenn ihr dann am Abend ganz leise und aufmerksam dem Wind lauscht, könnt ihr auch die Erzählungen des Kondors hören.

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2009

Im Rahmen der Erstkommunionvorbereitung 2009 entschieden sich die Tischmütter, ein Projekt in unserer Partnergemeinde zu unterstützen.

Viel Freude und Eifer haben die Erstkommunionkinder gezeigt, die sich Peru, genauer unsere Partnergemeinde Bernal, als soziales Projekt im Rahmen der Vorbereitung auf ihre erste heilige Kommunion ausgesucht hatten. Schon beim Zeigen der Fotos und Erzählen in Berwangen und im Gemeindehaus in Kirchardt wurden viele interessante Themen angeschnitten, Fragen gestellt und mit unserer Lebensweise verglichen. Die Kinder waren wirklich vorbildlich!

Dann wurden Plätzchen, Kuchen und Torten gebacken, Weihnachtskarten gestaltet und viele schöne Dinge gebastelt und zum Verkauf angeboten. Eine Weihnachtskarte ging sogar auf den langen Weg nach Peru und Schwester Margarita hat sich in einem Brief für dieses ganz besondere Zeichen der Verbundenheit herzlich bedankt.

Von der SMV der Birkenbachschule Kirchardt wurde ich eingeladen, über unser Partnerland und insbesondere unsere Partnergemeinde zu berichten. Thema dieser Veranstaltung war „Blick hinter die Kulissen“. An Hand von Fotos versuchte ich das Thema Wasser – Hier, Wasser im Überfluss – dort, Wassernot – zu behandeln.

Bei der anschließenden Diskussion sowohl der kleineren Schüler als auch der Jugendlichen war ich erstaunt über die vielen Fragen, die zeigten, dass viele sich große und tiefe Gedanken machten über die Probleme und Ungerechtigkeiten unserer Welt.

Der 24. Dezember

Im Rahmen des „Lesenden Adventskalenders“ der Bücherei in Kirchardt konnte der Perukreis ein Bild gestalten, das vor der Christmette in der Kirche enthüllt wurde.                                                                                                                                                 Viele vom Perukreis haben geholfen, damit so ein schönes Bild entstehen konnte. Vielen Dank an alle!

Weit oben in den peruanischen Anden, wo die Berge mit ewigem Schnee bedeckt sind, haben Josef und Maria in einer Höhle Unterschlupf gefunden. Sie sind schon lange gewandert und müde. Sie kommen aus Cusco, der großen, alten Stadt, das sieht man an ihrer bunten Tracht. Und auch das Jesuskind, das in Peru liebevoll Manuelito genannt wird, trägt ein Chullito, das bunte Mützchen, das alle Menschen in den Anden tragen, auch unter ihren Hüten.

Auch die Hirten haben eine weite Reise hinter sich, sie kommen aus ganz verschiedenen Regionen Perus. Da ist (rechts) Jacinto aus dem Urwald, der zum Stamm der Shipibo-Indianer gehört. Das erkennt man an dem langen gemusterten Gewand und dem Federschmuck. Sicher bringt er in seinem Tonkrug der Mutter Maria das kostbare Palmöl mit.

Vor der Krippe kniet Plinio mit seiner bunten Mütze und dem bunten Poncho. Obwohl er vom Hochland kommt, wo es teilweise sehr kalt ist, trägt er keine Strümpfe und Sandalen, die aus alten Autoreifen gemacht sind.

Auf der linken Seite ist Kalín. Dass er von der Nordküste kommt, verrät sein heller Poncho und der Sombrero, der ihn vor der sengenden Sonne im Norden Perus schützt. In seinem Korb hat er köstliche Früchte mitgebracht: Mangos, Limetten und Limonen.

Von überall kommen die Leute zur Krippe, von den hohen Bergen, vom Feld, eine Frau aus den nördlichen Anden mit ihrem Kind auf dem Rücken, dem hohen weißen Hut und der Spindel in der Hand. Und ganz schnell kommt auch der kleine Pedro gelaufen und zeigt aufgeregt zur Krippe.

Neben der Höhle steht eine Agave, deren Holz man zum Hausbau benutzt und auf der anderen Seite wachsen die Tunas, die Kaktusfeigen, die der heiligen Familie sicherlich köstlich munden.

Am harten Steppengras laben sich die Llamas, Vicuñas und Alpacas, und ich bin sicher, dass sie dem Jesuskind ihre warme Wolle schenken.

2010

Das Lema, das unsere Partnerschaft in den nächsten beiden Jahren begleiten wird:

„Wie Geschwister gemeinsam lernen: um zu deuten die Zeichen der Zeit.“ –

„Aprendiendo juntos como hermanos a leer los signos de los tiempos.”

Das 27. diözesane Partnerschaftstreffen fand am 17. April 2010 traditionsgemäß im Bildungshaus St. Bernhard in Rastatt statt. Neben den Delegierten aus ca. 80 Partnerpfarreien konnte Herr Domkapitular Sauer auch in diesem Jahr einige besondere Gäste begrüßen. Zum einen hatte die Gruppe der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit Freiburg Gäste aus ihrer Partnerpfarrei in Cajamarca mitgebracht. Ein weiteres „peruanisches Gesicht“ war Maria Julia, eine der beiden Voluntarias, die derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr in Freiburg absolvieren. Wie immer waren auch Vertreter der großen Werke Misereor, Adveniat und dem Päpstlichen Missionswerk der Kinder da.

Die weiteste Anreise hatte der Hauptreferent des Vormittags, Herr Dietmar Müßig von der Diözesanstelle Weltkirche des Bistums Hildesheim. Das Bistum Hildesheim steht, gemeinsam mit dem Bistum Trier, in einer Partnerschaft mit dem südlichen Nachbarn Perus, Bolivien.

Am 18. Juli feierten wir in Sankt Ägidius ein Gemeindefest, in dessen Verlauf Kinder und Erwachsene einen 60m langen Brief verfassten mit Bildern, Grüßen, kleinen Texten, der dann mit mir am 1. August auf die große Reise ging.

Am 1. August flog ich nach Peru, um am Partnerschaftstreffen der Gemeinden Nordperus teilzunehmen. Zunächst erwartete mich Padre Juan Goicochea, Comboni-Missionar aus unserer Partnergemeinde, um mir seine neue Pfarrei in Chorrillos vorzustellen, ein wahrlich sehr armes Gebiet.

Anlass meiner Reise war das 15. Partnerschaftstreffen der Nordregion, das vom 05. bis 07. August 2010 in unserer Partnergemeinde Bernal/Bellavista/Piura stattfand. Am Treffen nahmen 105 Delegierte aus 28 Partnergemeinden der Diözesen Cajamarca, Chiclayo, Chimbote, Chota, Chulucanas, Huari, Piura y Trujillo teilDesweiteren nahm Bischof Daniel Turley aus Chulucanas am Treffen teil, der am Donnerstag, den 05. August den Eröffnungsgottesdienst feierte und bei seiner Predigt das Leitwort der Partnerschaft “Wie Geschwister gemeinsam lernen: um zu deuten die Zeichen der Zeit” kommentierte. Die Zeichen der Zeit sind in der Nordregion im Augenblick vor allem die angestiegene Kriminalität, selbst in kleinen Dörfern kam es zu Diebstählen und Überfällen, wobei mehrere Personen umkamen.

Am Freitag begrüßten dann die Delegierten der drei Partnergemeinden aus Bellavista/Bernal, Querecotillo und Montero die Teilnehmer im Kolosseum von Bellavista. Danach überbrachte ich auch die Grüsse von Kirchardt und überreichte die 60 meterlange Grußbotschaft der Gemeinde Kirchardt, wohl die längste Grußbotschaft in der Geschichte der Partnerschaft und ein Highlight!

Am Freitagabend feierten wir einen bunten Kulturabend, bei welchem die verschiedenen Gruppen Musik und Tanz aus ihren Regionen darboten.

Nach einem ziemlich turbulenten Rückflug mit Notlandung in Trujillo kam ich ziemlich spät nach Lima zurück, wo man mich zu einer Versammlung des Consejo Nacional, des Nationalrates der Partnerschaft in Peru, erwartete, um vom Nordtreffen und der Erzdiözese Freiburg zu berichten.

Genauso turbulent war dann der Rückflug über Caracas, Venezuela, sodass ich froh war, wieder gesund in Kirchardt gelandet zu sein. 

2011/2012

Die beiden Jahre 2011 und 2012 standen ganz im Zeichen des 25jährigen Jubiläums der Partnerschaft.

Am 23. Februar wird mit Gottesdiensten im Freiburger Münster und in der deutschsprachigen Gemeinde in Lima der Gründung der Partnerschaft vor 25 Jahren gedacht.

Im Juli ist Erzbischof Pedro Barreto aus Huancayo und Vorsitzender des Consejo Nacional, des Nationalrates der Partnerschaft in Peru, zu Gast im Erzbistum Freiburg anlässlich der Tagung zum Jubiläum in der Katholischen Akademie.

Am 15. Oktober findet in Rastatt das 28. Diözesane Partnerschaftstreffen statt, in deren Rahmen nach fast 20jähriger Tätigkeit Herr Domkapitular Wolfgang Sauer seine Aufgabe in die Hände von Ordinariatsrat Stephan Ocker legt.

Ende November durfte ich zusammen mit einer Delegation unseren Erzbischof Dr. Robert Zollitsch nach Peru begleiten. Sie können auch einen Reisebericht lesen.

Für die nächsten beiden Jahre wird von unseren peruanischen Geschwistern ein neues Leitwort kreiert:

Somos iglesia al servicio de la vida y de la creación ‐

Dienst am Leben und an der Schöpfung – unsere Mission als Kirche

Im Mai 2012 wird das 25jährige Partnerschaftsjubiäum in Freiburg gefeiert. Beim Partnerschaftstreffen im Ursula-Gymnasium sowie beim Katholikentag ist nahezu der komplette Consejo Nacional zu Gast. Etwa 15 Perugruppen haben aus Anlass des Katholikentages ebenfalls ihre Partner eingeladen.

Die Gäste aus Peru waren vom Katholikentag begeistert und meinten, sie wollten so etwas auch in Peru anregen.

2013

Das Jahr 2013 hat für uns alle sehr traurig angefangen, denn am 7. Januar verstarb plötzlich im Alter von 55 Jahren Domkapitular Stefan Ocker, der im Herbst 2011 die Leitung des Referates Weltkirche übernahm und kurz zuvor, an Weihnachten 2012, in das Domkapitel aufgenommen worden war.

Erzbischof Zollitsch bescheinigte Stephan Ocker eine „hohe weltkirchliche Sensibilität“ und eine „besondere politische Begabung“.

Mit großer Betroffenheit, ja mit Bestürzung“, so Erzbischof Zollitsch, “hat mich der unerwartete Tod von Domkapitular Stephan Ocker erfüllt. Mit ihm verliert die Erzdiözese einen engagierten Priester und kontaktfreudigen Seelsorger. Er ließ sich stets an Orte und in Aufgaben rufen, in denen er gebraucht wurde. In seiner äußerst verbindlichen und ausgesprochen kommunikativen Art ging er als Seelsorger auf die Menschen zu und baute Brücken – weit über das Erzbistum Freiburg hinaus. Ich werde ihn sehr vermissen.“

So stand auch das ganze Jahr 2013 im Schatten dieses Todes, war doch das Referat Weltkirche verwaist. Auch das alljährliche Partnerschaftstreffen in Rastatt wurde abgesagt.

Seit September ist Domkapitular Dr. Peter Birkhofer Leiter des Referates Weltkirche und somit verbunden auch Mitglied des Ausschusses Weltkirche und Partnerschaft im Diözesanrat.

Vom 21. bis 28. Oktober begleitete ich Weihbischof Klug nach Peru, nach Lima,

Am Flughafen wurden wir von Delegierten aus Partnergemeinden der Region Lima sowie einer Musikgruppe herzlich empfangen. Da wird mal ganz kurz ein Flughafen zur Festhalle, undenkbar hier in Europa, aber auch in Peru braucht man hierzu ein wenig „Vitamin B“.

Am Dienstag stand dann der Besuch der deutsch-peruanischen Humboldtschule auf dem Programm. Abends fand eine Sitzung des Consejo Nacional, dem Nationalrat der Partnerschaft, statt, wo wir von dem neuen Vorsitzenden Mons. Carlos García, Bischof von Lurín, herzlich begrüßt wurden. Weihbischof Klug überbrachte Grüße aus dem Erzbistum Freiburg und berichtete über die aktuellen Ereignisse in Freiburg. Ich informierte die Mitglieder des Consejo Nacional über den Vorschlag, das bisherige Leitwort der Partnerschaft nicht wie sonst nach zwei Jahren üblich zu wechseln, sondern es lediglich durch ein Jahresthema zu ergänzen. Begeistert wurde dieser Vorschlag aufgenommen und einstimmig beschlossen.

Somit wird das Leitwort weiterhin heißen:

 Dienst am Leben und an der Schöpfung – unsere Mission als Kirche“

und wird ergänzt durch den Zusatz 2014:

 Gerecht die Gaben der Erde teilen“

 Dies unterstreicht die vom Ausschuss Weltkirche und Partnerschaft und des Diözesanrats angestoßene Initiative, die Erzdiözese Freiburg zu einer Fairtrade-Diözese zu machen.

Am Mittwoch besuchten wir die Schule Fe y Alegría in San Juan de Lurigancho. Der Gottesdienst mit vielen behinderten Kindern war ein emotionaler Höhepunkt, besonders auch als Weihbischof Klug die Kinder und Eltern segnete. Meist werden in Peru behinderte Menschen versteckt, aber hier leisten die Schwestern der Schule sehr viel Öffentlichkeitsarbeit und haben in ihrer Schule zwei Klassen für behinderte Kinder. Im Gottesdienst sang eine Gruppe Kinder „von guten Mächten wunderbar geborgen“, sehr schön, sie haben es von einer Voluntaria gelernt.

Der Donnerstag galt dem Austausch in der Pfarrei „El Buen Pastor“, bei dem die Delegierten aus den Partnerschaftsgruppen der Diözese Callao eindrucksvoll von ihrer sozialen und pastoralen Arbeit berichteten.

Am Freitag besuchten wir die Peruanische Bischofskonferenz. Hier nahmen wir an der Verleihung des Journalistenpreises teil. Viele junge Nachwuchsjournalisten wurden für ihre Reportagen in Presse, TV, Radio, Film geehrt. Ausschnitte wurden eingeblendet. Viele Reportagen behandelten das Thema „Eingliederung von behinderten Kindern oder Erwachsenen“.

Mit den Voluntarios trafen wir uns am Samstag, 6 Voluntarios kamen aus der Erzdiözese Freiburg, 3 Voluntarios aus Peru, die einen Freiwilligendienst in Freiburg geleistet haben. Die Berichte waren sehr lebendig und wir haben alle festgestellt, dass ein Freiwilligenjahr sowohl den jungen Menschen als auch seine ganze Familie bereichert.

Weihbischof Klug firmte am Sonntag 19 Schülerinnen und Schüler der Humboldt-Schule. Anschließend versammelten sich Eltern, Paten und Firmlinge im Pfarrhof zum Gespräch. 

Unser letzter Tag begann sehr früh, denn heute ist der Tag des „Señor de los Milagros“ und wir nahmen am feierlichen Gottesdienst mitten in der Stadt, teil. 

Das Fest „Señor de los Milagros“ (dt. „Der Herr der Wunder“) geht zurück auf ein Bildnis eines schwarzen, gekreuzigten Christus, das man im Jahr 1651 auf einer Lehmmauer im Viertel Pachacamilla fand. Das Bild wurde vermutlich von einem schwarzen Sklaven aus Angola gemalt, der im Zuge der Eroberung des Inkareiches mit den Spaniern eingewandert war. Dieses Bild auf der Lehmmauer widerstand der Legende zufolge allen Versuchen es zu entfernen und überstand auch das Erdbeben am 13. November 1655, das fast die ganze Stadt Lima zerstörte, unversehrt. Daraufhin wurde die Mauer mit dem Bild eine Wallfahrtstätte zunächst nur für die schwarze Bevölkerung von Peru. Nachdem die Mauer mit dem Bild auch das zweite große Erdbeben, am 20. Oktober 1687 ohne Schäden überstanden hatte, wurde es von allen Bevölkerungsschichten akzeptiert. Zudem wird berichtet, dass um 1670 der an einem Tumor unheilbar erkrankte Andrés de León dort geheilt wurde.

2014

Partnerschaftstreffen am 10. Mai 2014 

Am Samstag, den 10. Mai 2014 trafen sich in Rastatt etwa 130 Peru-Engagierte aus 66 Pfarreien und Verbänden aus der ganzen Erzdiözese. Außerdem durften wir in Rastatt Herrn Franz Hellinge, Peru-Referent bei Adveniat, Frau Astrid Saalbach von der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit (SEZ), Frau Elena Muguruza vom Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg (DEAB) begrüßen. Auch aus dem Partnerland Peru waren Gäste mit dabei: drei der insgesamt vier Freiwilligen aus Peru, die gerade ein Jahr in der Erzdiözese Freiburg verbringen, sind nach Rastatt gekommen, genauso wie Willy Amaya, Mitarbeiter der Sozialkommission der peruanischen Bischofskonferenz (CEAS).
2015

Dieses Jahr steht unter dem Jahrethema 

Als Zeugen Jesu miteinander eintreten für eine gerechte Welt                       

Wohin am 1. März? Zum Perutag nach Kirchardt! Zusammen mit Pfarrer Vincent Padinjarakadan und dem Peru-Singkreis aus Neuthard, mit dem wir schon lange befreundet sind, feierten wir einen sehr schönen Gottesdienst. Nach einem einfachen Mittagessen berichteten wir aus unserer Partnergemeinde und man staunte, welche großen Fortschritte Bernal gemacht hat. Außerdem hat die Schule, die von Luz María geführt wird, einen Umweltpreis bekommen. Luz María war 1996 als junge Lehrerin bei uns zu Gast.

Am 10. Mai fuhren wir wieder nach Rastatt zum  Partnerschaftstreffen, das wir dieses Mal mit einem Wortgottesdienst begannen. Am Vormittag hörten wir einen Vortrag von Giancarlo Castiglione Guerra, Direktor von Forum Solidaridad  in Peru und Experte zu den Themen Entwicklung, Wirtschaft, Korruption und Entwicklung.  Wir bekamen sehr viel Wissen vermittelt und trotz des langen Vortrages kam keine Minute Langeweile auf. Der temperamentvolle Giancarlo hatte sehr aufmerksame Zuhörer.

Der Nachmittag war genauso interessant, denn Damian Raiser, Politikwissenschaftler und Journalist, befragte uns nach unserem Bild und unsere Vorstellungen von Peru. Manch einer hat sicherlich auf der Heimfahrt über Logo und Symbol seiner Partnerschaft nachgedacht und es evtl. kritisch hinterfragt.

 2016

In diesem Jahr feiert die Partnerschaft ihr 30-jähriges Bestehen. Erzbischof und Misereor-Bischof Stefan Burger wird deshalb Ende Juni mit einer kleinen Delegation nach Peru reisen, Ende Oktober kommt eine kleine Delegation aus Peru in die Erzdiözese Freiburg.

Wir feierten am 24. April unseren Perutag unter diesem Zeichen. Der Gottesdienst bekam mit dem Gesang des Chores eine besonders feierliche Note. Viele Firmlinge, die sich auch für das Projekt Fair-Handel interessierten waren da und halfen mit, dass es ein schöner und gelungener Tag wurde. Der Höhepunkt war der Besuch von Frau Elena Muguruza, die uns anhand der begehbaren Weltkarte erläuterte, wie ungerecht die Gaben der Erde tatsächlich verteilt sind. Eindrucksvoll wurde dargestellt, dass es – zumindest was die Verteilung der Güter und die Entwicklung angeht – nicht der Äquator ist, der die Nord- von der Südhalbkugel trennt, sondern dass diese „Grenze“ viel weiter nördlich liegt. Dazwischen liegt der durch Rodung bedrohte Regenwald, der für die ganze Welt aber lebensnotwendig ist. Elena Muguruza erzählte sehr lebendig, machte zunächst sprachlos, weil diese Verteilung so nicht im Gedächtnis war. Aber es entstand doch eine rege Diskussion, an der sich auch die Jugendlichen beteiligten und sicherlich viele von uns zum Nachdenken brachte. Ja, was kann ich denn als einzelner da tun? Wir sprachen über Produkte aus fairem Handel, Arbeitsbedingungen bei den Produzenten in den Ländern des Südens, über unser Kaufverhalten, unsere Lebensweise usw. Ich bin sicher, dass die Präsentation von Frau Muguruza weiterhin Gesprächsstoff in den Familien der Firmlinge, in unseren Gruppen und vielleicht auch in der Seelsorgeeinheit ist.

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Perureise 2016

Auch dieses Jahr durfte ich mit Erzbischof Stefan Burger und einer Delegation aus Anlass des 30-jährigen Partnerschaftsjubiläums nach Peru reisen. Vom 26. Juni bis zum 3. Juli standen u.a. die Teilnahme am Regionaltreffen der Südregion in Cusco sowie das große Seminar und Partnerschaftsfest zum Jubiläum am Samstag, den 2. Juli in Lurí,  außerdem ein Besuch bei der Sozialkommission der peruanischen Bischofskonferenz (CEAS) auf dem Programm. Mit dem Besuch zweier Schulen und einem Treffen mit Voluntarios sollte das Augenmerk besonders auf die Zukunft der Partnerschaft gerichtet werden. Ziel ist es, neue Schulpartnerschaften zwischen Peru und Schulen im Erzbistum zu initiieren und junge Menschen für die Partnerschaft zu gewinnen. Deshalb gehörte der Delegation auch eine Schülerin und ein Schüler sowie eine Lehrerin der St. Ursula Schulen in Villingen an, ebenso Claudia Debes von der Fachstelle Internationale Freiwilligendienste.

 In einem Tagebuch einiger Mitreisenden wird deutlich, wie gefüllt die Tage waren und welch tiefen Eindruck sie hinterlassen haben.

Ich begleitete die Delegation zu ihrer Rückreise nur zum Flughafen, denn danach hatte ich die Gelegenheit in den Norden zu reisen, um unsere Partnergemeinde in Bernal zu besuchen.

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